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Von Katja Herzberg
19.04.2012
Literatur

Erschreckendes Skandinavien

Ingrid Raagaard: Die Anschläge von »Oslo/Utøya« haben ganz Norwegen getroffen

Noch ist unklar, wie Anders Behring Breivik für die Anschläge auf das Regierungsviertel in Oslo und die Insel Utøya nahe der norwegischen Hauptstadt zur Verantwortung gezogen wird. Erst am Montag begann der Prozess gegen ihn. Dass er an jenem 22. Juli 2011 insgesamt 77 Menschen tötete, ist unstrittig. Doch die Aufarbeitung der Massaker ist schmerzhaft verlaufen und noch immer nicht abgeschlossen. Wie die Menschen in Norwegen die Massaker verkraftet haben, ist Thema einer der berichtenden Erzählungen von Ingrid Raagaard in »Oslo/Utøya. Und andere authentische Kriminalfälle aus Skandinavien«. Kurze Zeit nach der Tat machte sich die Journalistin auf Spurensuche in Norwegen, sprach mit Überlebenden, Verwandten von Opfern sowie den Behörden. Und sie las das mehr als 1500 Seiten starke »Manifest«, das Breivik über Jahre schrieb und kurz vor seinen Anschlägen über das Internet verbreitete.

Es wirkt unheimlich, wie sich Raagaard in den kaltblütigen Täter hineinversetzt und ihn fast in Schutz nimmt. Etwa wenn die Autorin berichtet, warum Breivik kleine Kinder nicht erschossen hat, weil sie noch keine Ahnung von Politik gehabt hätten, sondern eher zufällig auf der Insel waren. Umso schockierender lesen sich die Erfahrungen der zumeist jungen Menschen zwischen 16 und 19 Jahren, die Breivik - vom Hass auf die Sozialdemokratie getrieben - verfolgte. Sie liefen weg, sprangen ins Wasser, und Breivik schoss hinter ihnen her. Einige überlebten nur, weil sie sich, unter den Leichen ihrer Freunde begraben, tot stellten. Die vielen erwähnten Schicksale einzelner Opfer zeugen von einer Fleißarbeit der Autorin, die auch in den anderen Texten des Buches über Kriminalfälle in Skandinavien deutlich wird. Doch an manchen Stellen leidet die Präzision und die schriftstellerische Qualität. Wie Romane lesen sich die Geschichten jedenfalls nicht. Vielleicht sollen sie dies auch nicht. Dann nämlich hätte der Fall Breivik das Buch allein füllen können. Unklar bleibt jedoch, ob und wo Ingrid Raagaard die Grenzen der im Untertitel des Buches beteuerten Authentizität übertreten hat.

Ingrid Raagaard: Oslo/Utøya. Und andere authentische Kriminalfälle aus Skandinavien. Militzke Verlag. 208 S., geb. 17,99 €.

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