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Von Ralf Klingsieck, Paris
19.04.2012

Kämpfer für Kolonien auf dem Mars

Fragwürdige Politiker wie Jacques Cheminade nutzen den Wahlkampf in Frankreich gerne als Tribüne für krude Thesen

Um Kandidat für die Präsidentschaftswahl werden zu können, muss man mindestens 500 Unterschriften von Bürgermeistern aus dem ganzen Land vorlegen können, die mit dem Kandidaten politisch nicht übereinstimmen müssen, aber sein Antreten »im Interesse des demokratischen Pluralismus« befürworten. Diese Vorschrift wurde vor Jahren erlassen, um »Spaßkandidaten« fern zu halten. Doch fragwürdige Typen schlüpfen öfters durchs Netz.

Diesmal ist es der 70-jährige l, der für Ärger sorgt. Wie viele bekannte Politiker und Spitzenbeamte hat er einst Ökonomie studiert und dann die Elite-Hochschule ENA absolviert. Als Außenhandelsrat wurde er in die USA geschickt. Dort traf er 1981 einen Mann, der seinem Leben eine neue Richtung gab - der heute 89-jährigen Lyndon LaRouche. Um sich ganz in dessen Dienst stellen zu können, gab er seine Diplomatenkarriere auf und gründete in Frankreich die Europäische Arbeiterpartei, die heute als Splitterpartei »Solidarität und Fortschritt« fortbesteht.

Vom Inlandsgeheimdienst DCRI wird die Partei beobachtet, weil sie verfassungsfeindliche Ziele verfolgen soll, und von einem Untersuchungsausschuss der Nationalversammlung wurde »Solidarität und Fortschritt« auf die Liste der Sekten gesetzt, die verdächtigt werden, junge Leute zu manipulieren. Solche hochgebildeten jungen Leute, die fast alle mit ihren Familien gebrochen haben, helfen jetzt Cheminade in seinem Wahlkampf. Da stellt dieser die globalisierungskritischen Thesen in den Vordergrund, die er Wort für Wort von Lyndon LaRouche übernommen hat.

Er wettert gegen City und Wall Street, fordert den Austritt aus der Internationalen Handelsorganisation, dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank, tritt für feste Wechselkurse und eine protektionistische Außenhandelspolitik ein, und will den Entwicklungsländern mehr Unabhängigkeit vom gegenwärtigen Weltwirtschaftssystem verschaffen, dessen alsbaldigen Kollaps er voraussagt.

Zu diesem Sammelsurium von Weltverschwörungstheorien und negationistischen Thesen gehört die Überzeugung von LaRouche, dass der 11.September 2001 ein Auftragswerk von Präsident Bush war, dass die britische Königin ihren Reichtum dem Drogenhandel verdankt, dass Aids mit Hilfe von Homosexuellen - die er als Terroristen bezeichent - vom KGB in die USA eingeschleust wurden, um diese zu schwächen.

Das antisemitische Protokoll der Weisen von Zion, das so oft in der Geschichte als Vorwand für Progrome herhalten musste, hält er für authentisch, während er die Zahl von sechs Millionen umgekommenen Juden als übertrieben bezeichnet und von »nur« 1,5 Millionen ausgeht. Es seien britische Juden unter Führung von Baron Rothschild gewesen, die Hitler an die Macht brachten.

Darüber im Wahlkampf öffentlich zu reden, vermeidet Cheminade lieber. Statt dessen schwadroniert er lieber über die »moralische Verpflichtung«, den Mond und später auch den Mars zu kolonisieren. Technisch wäre das kein Problem dank der unbegrenzten Energie aus »Kernumwandlung durch Neutronenbeschuss« und »Transmutation chemischer Elemente«.

Solche Theoreien kann Jacques Cheminade jetzt Abend für Abend in Rundfunk und im Fernsehen verbreiten, wo ihm exakt dieselbe Sendezeit zur Verfügung steht wie Nicolas Sarkozy, François Hollande, Jean-Luc Mélenchon oder den anderen Kandidaten - und dass diese Vorschrift des Wahlgesetzes auf die Sekunde genau eingehalten wird, darüber wacht der Medienrat CSA.

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