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19.04.2012

Versagen am Hindukusch

Kommentar von Olaf Standke

Die Meldung platzte gestern in die Bemühungen der Außen- und Verteidigungsminister der NATO, in der von Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen vorgegebenen Harmonie Klarheit über den Abzug aus Afghanistan und die weitere Präsenz des Paktes am Hindukusch zu finden. Denn der auf das Jahr 2014 ausgerichtete Zeitplan gerät zunehmend in Zweifel. Und der jüngste Skandal um grausige Leichenschändungen durch US-Militärs belegt ein weiteres Mal, dass dieser einst mit großer Befreiungsgeste begonnene Feldzug auch moralisch längst am bitteren Ende ist. Immer wieder haben Übergriffe US-amerikanischer und anderer, auch deutscher Soldaten der Internationalen Schutztruppe Empörung und gewalttätige Proteste unter der Bevölkerung ausgelöst.

Auch Aktionen wie die Koranverbrennung auf einem Stützpunkt Washingtons schürten den Hass auf die als Besatzer wahrgenommenen ausländischen Einheiten - ein Nährboden für die Taliban, die mit einer Serie tödlicher Anschläge gerade ihre »Frühjahrsoffensive« begonnen haben. Die NATO hat auf der ganzen Linie versagt, zuletzt auch diplomatisch, als es darum ging, die einst aus Kabul vertriebenen Taliban an den Verhandlungstisch zu bringen. Doch nur eine politische Lösung samt raschem vollständigen Truppenabzug könnte den Weg zum Frieden am Hindukusch ebnen. In Brüssel dachte man gestern aber vor allem darüber nach, wie viele Kampfverbände denn nach dem offiziellen Rückzug in Afghanistan wohl verbleiben müssten.

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