Von Rosi Blaschke
21.04.2012

Auf dem Kamel durchs Blumenbeet?

Drei Landesgartenschauen von Löbau über Bamberg bis Nagold erfreuen in diesem Jahr die Besucher

Frühling ist Gartenzeit. Ist viel Arbeit in und mit der Erde, ist Pflanzen und erstes Blühen. »Der April ist der wahre, gesegnete Monat des Gärtners«, schreibt Carel Capek in seinem »Jahr des Gärtners«. »... im Mai blühen die Blumen und Bäume nur, aber im April, da schlagen sie aus! Glaubet mir, dieses Ausschlagen, diese Blüten, Knospen und Keimlinge sind wie ein Wunder der Natur.« Doch »der April ist nicht nur der Monat des Ausschlagens, sondern auch des Auspflanzens«.

Und wie sich passionierte Gärtner über jedes Beet, jede grünende Hecke freuen, so sind viele Städter in froher Erwartung dessen, was ihnen ihre kleine oder große Stadt in diesem Frühling als ein üppiges Blumenbeet bis in den Herbst hinein bietet. Bundes- oder Landesgartenschauen sind jene Blickpunkte, die alljährlich Zehntausende Besucher aus dem Umkreis und von weit her für Monate anlocken, um dann darüber hinaus bleibende Juwele für die Städte zu sein.

Immer gehen dem Diskussionen voraus, ob sich die Kommune gerade in Zeiten klammer Kassen eine solche Investition leisten kann, ob und wie die Kosten wieder ausgeglichen werden können. Nicht immer gelingt Letzteres. Darum wohl hat auch die Zahl der Bewerber abgenommen.

Naturschützer kritisieren zudem an manchem Beispiel, dass mit dem Schaffen von Neuem Altes beseitigt wird. Doch alles in allem beweist die Vergangenheit, dass die Städte mit ihren Gartenschauen gewonnen haben. Was wäre Berlin ohne seinen Britzer Garten und die Gärten der Welt, Oranienburg ohne seinen rekonstruierten Schlosspark, Gelsenkirchen ohne die wiederbelebte Industrielandschaft, Bingen ohne seine »R(h)einschauen«.

In diesem Jahr laden zwischen den Bundesgartenschauen 2011 in Koblenz und 2013 als Internationale Gartenausstellung IGA in Hamburg drei Landesgartenschauen zu Freude und Lehrzeit für den eigenen Garten ein: Löbau in Sachsen, Bamberg in Bayern und Nagold in Baden-Württemberg. Auch diesmal werden auf diese Weise brachliegende einstige Industrieflächen zu Parkflächen und Naherholungsgebieten umgestaltet. Eine florierende, vielgestaltige Industrie mit vielen Arbeitsplätzen würde einer Stadt sicher mehr Wohlergehen bringen. Doch Gartenschauen machen das Wohnen attraktiver und sichern dem Gartenbau für gewisse Zeit sichere Arbeitsplätze.

In Meyers Lexikon älteren Datums steht für Löbau unter anderem Textilindustrie und Zuckerverarbeitung. Diese Sparten aber sind mit der deutschen Einheit untergegangen. Das etwa 20 Hektar große einst industriell genutzte Gelände zwischen Altstadt und dem Löbauer Berg wird nun zum Erholungsgebiet umgestaltet. Und damit man nicht alles Gewesene vergisst, werden die ehemaligen Industriestandorte durch eine Berg- und Talpromenade verbunden und mit Fantasie verändert. Nur einige Beispiele: Das sogenannte Zuckerplateau wird zum Festplateau, um den »Rübentower« entstand ein Baumhain aus Zuckerahorn, vor dem Zuckerlager eine Caféterrasse.

Im Kalkwäldchen stand einst der Kalkofen, in dem der Zuckerrohsaft gereinigt wurde. Dort entsteht ein Garten in vielen Farbtönen. Schräges Wäldchen mit vielerlei Gehölzarten und Mühleninsel mit wildem Weidendickicht und einem neuen Staudengarten sind weitere Sehpunkte auf der Promenade. Sie endet an der Löbauer Wiese, wo nach der Gartenschau Sport und Spiel dominieren werden. Wie auf allen Landesgartenschauen präsentieren sich Gärtner und ihre Verbände, ist ein vielgestaltiges Programm auf den Bühnen vorbereitet. Und auch der Saurierpark Bautzen wird für Überraschung sorgen. Löbau hat den 790. Geburtstag gerade hinter sich. Die Gartenschau wird das schöne alte Gesicht der Stadt noch markanter machen.

Auch das oberfränkische Bamberg hat vor 20 Jahren ein bedeutendes Industriewerk verloren - die Baumwollspinnerei ERBA. Um diese Brache in eine Kulturlandschaft zu verwandeln, bewarb sich die Stadt um die Gartenschau Bayerns. Das historische Zentrum der Stadt, das zum Weltkulturerbe gehört, erhält nun eine neue grüne Spitze.

Bamberg hat sein besonderes Wahrzeichen, den Bamberger Reiter am Kaiserdom. Nun kommt die Gartenschau hinzu, die auch die Baumwollspinnerei nicht vergessen machen will und die historischen Gebäude mit einbezieht.

Eine ökologische Attraktion ist der Fischpass mit einem Gefälle von vier Metern auf 1,2 Kilometern. Er hat zum Ziel, das Flüsschen Regnitz wieder für viele Fischarten passierbar zu machen. Ihn säumen naturnahe »Wasserwege«, die den Blick auf unterschiedliche Ökosysteme und Gestaltungsvarianten erlauben. Trittsteine und Brücken machen den »Sprung« von einer zur anderen Seite möglich.

Die Pyramidenwiese wird, wie der Name sagt, von drei bis fünf Meter hohen pyramidenförmigen Grasflächen dominiert. Hier hat der Besucher einen Blick von oben auf die Parkanlagen und auf den Kaiserdom und das Kloster St. Michael. Mit Steinen, Lehm und Tausenden Kubikmeter Erdaushub wurden industrielle Altlasten unschädlich abgedeckt und damit das Industriegelände rekultiviert.

Da zu Gartenschauen immer viele Kinderspielplätze gehören, bietet die Bamberger gleich fünf neue an. Auf ihnen treibt die bekannte Kinderbuch­ und Filmfigur »Das Sams« ihr Unwesen und erzählt seine Geschichte.

Aller guten Dinge sind drei: Wir fahren weiter nach Nagold, dieser kleinen Stadt am Rande des Schwarzwaldes im Landkreis Calw. Es wird kaum einen wundern, dass auch hier ein stillgelegter Betrieb Mittelpunkt der Gartenschau ist. Zwölf wechselnde Blumenschauen werden in einem alten Gebäude der AnkerBrauerei gezeigt - vom »Rosenrendezvous« über »Exoten und Orchideen«, »Hopfen und Malz« bis zur »Floristik in der Fülle der Erntezeit«.

Etwas Besonderes ist der 1000 Kubikmeter große Platanenkubus - eine lebendige Pflanzenstruktur um stählerne Konstruktionen herum. 1000 junge Platanen wurden in sechs Ebenen angeordnet und bilden an einer Stahlkonstruktion eine künstliche Baumkrone. Hier wächst zusammen, was zusammen gehört. Eines Tages werden keine Pflanzbehälter und keine Stützen mehr gebraucht, weil alles verwachsen und verwoben sein wird. Bis es soweit ist, gehen aber gut 20 Jahre ins Land.

Keine andere Landesgartenschau hat allerdings einen frühkeltischen Grabhügel am Nagoldufer mit 50 Meter Durchmesser aufzuweisen. Die 2500 Jahre alte denkmalgeschützte Grabkammer deutet auf Spuren keltischer Kultur in dem Schwarzwaldstädtchen hin. Ausgrabungen verbieten sich hier. Lange schmale sogenannte Wölbergärten mit nachempfundener keltischer Bepflanzung laufen auf ihn zu.

Dass Landesgartenschauen mit viel Eigenem, was ihre Städte zu bieten haben, prahlen wollen, um Besucher anzulocken, ist verständlich. Geht es doch schließlich auch um Einnahmen für die Kommune zum Nutzen ihrer Bewohner. Was allerdings die Präsenz des Kamelhofes Rotfelden, und sei es auch nach eigenen Angaben der größte Europas, auf der Nagolder Gartenschau zu suchen hat, wird ewig unerfindlich bleiben. Gartenschauen sollten heute und morgen nicht zu Rummelplätzen verkommen.

● Landesgartenschau Löbau in Sachsen vom 28. April bis 14. Oktober 2012, www.landesgartenschau-loebau.de

● Landesgartenschau Bamberg in Bayern vom 26. April bis 7. Oktober 2012, www.bamberg.de

● Landesgartenschau Nagold in Baden-Württemberg vom 27. April bis 7. Oktober, www.landesgartenschau-nagold.de