Bernd Zeller
21.04.2012
Kolumne

Packung

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Vignette: Bernd Zeller

Die bekannte Bundesverbraucherschutzministerin Aigner will nach erfolgreichem Kampf gegen virtuelle Machenschaften ein weiteres Übel angehen, unter dem die Verbraucher zumeist still leiden. Sie möchte die in Zeiten der Singlehaushalte nicht mehr zeitgemäßen Familienpackungen ächten.

Da dürften viele Verbraucher aufatmen. Man fällt doch immer wieder auf die vermeintlich günstigeren Großpackungen herein, weil zur kompletten Irreführung der Kunden die Supermärkte den Trick anwenden, den Preis pro Einheit, also Cent pro Gramm oder Liter, am Preisschild anzugeben. Wer also beim Griff ins Regal denkt: »Da habe ich mehr und bezahle weniger!«, ist auf die subtile Werbemasche des Großkapitals hereingefallen.

Hier setzt dankenswerterweise Ilse Aigner an. Sie könnte natürlich dafür sorgen, dass die Leute sich nur noch kleine Packungen leisten können, und wenn das alle gleichermaßen beträfe, wäre es auch noch sozial. Dann aber würden alle großen Packungen ihr Haltbarkeitsdatum überschreiten und müssten auch weggeworfen werden. Deshalb wagt sie sich vor und kämpft gleich für die Zerschlagung der Großpackungen selbst. Man muss schon froh sein, dass sie nicht etwa auf eine Kampagne »Hier wird aufgegessen!« verfällt, vermutlich aus Respekt vor dem Koalitionspartner, denn der Gesundheitsminister müsste korrigierend einwirken.

Es bleibt zu befürchten, dass sich andere Minister einmischen. Umweltminister Röttgen hat einen Wahlkampf zu absolvieren und kehrt anschließend ins Kabinett zurück, er könnte etwas gegen die größere Menge an Müll durch mehr kleine Packungen haben, Familienministerin Schröder könnte sich für die Rettung der Familienpackungen im Interesse der verbliebenen Familien einsetzen. Die Koalition könnte sich auf eine kreative Lösung einigen und statt des umstrittenen Betreuungsgeldes eine Ausgleichszahlung für die Mehrkosten einführen, die den Familien entsteht, weil sie keine Großpackungen mehr kaufen können.