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Von Alexander Ludewig
21.04.2012

Höhepunkt im Hertha-Theater

Die Berliner müssen im Heimspiel gegen den Tabellenletzten Kaiserslautern gewinnen

Otto Rehhagel ist ein kulturvoller Mensch und bekennender Theaterfreund. Es kommt schon mal vor, dass er Bühnenklassiker rezitiert, wenn er über Fußball spricht. Derzeit führt er selbst Regie - in dem großen Hauptstadtstück »Die Rettung der Alten Dame«. Als Trainer von Hertha BSC.

Es ist ein Drama. Der Berliner Bundesligist befindet sich in größter Abstiegsnot. Folgt man Rehhagel, ist gerade der dritte Akt erreicht. Der Höhepunkt. Das heutige Heimspiel gegen den Tabellenletzten 1. FC Kaiserslautern hat drei Spieltage vor Saisonende einen vorentscheidenden Charakter. »Es geht um alles«, sagt der 73-jährige Altmeister unter den Fußballlehrern.

Wie könnte man Rehhagel widersprechen, der 2004 als Europameister mit Griechenland gar im Olymp angekommen ist. »Das wichtigste Spiel überhaupt«, wie es Rehhagel nennt, muss Hertha BSC gewinnen. Nicht um sich noch auf einen Nichtabstiegsplatz zu retten. Der scheint bei fünf Punkten Rückstand auf den 15. aus Augsburg den Berlinern selbst unerreichbar. Sondern um den 1. FC Köln abzufangen und sich mit dem Relegationsplatz die Chance auf den Klassenverbleib zu sichern.

Aus dem Ende des zweiten Aktes zieht Rehhagel Optimismus. »Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie bereit ist, für den Klassenerhalt zu kämpfen.« Das positive Gefühl aus der zweiten Halbzeit beim 3:3 in Leverkusen, in der Hertha in Unterzahl das Spiel gedreht hatte, habe man mitgenommen. Dass einige seiner Hauptdarsteller gegen Kaiserslautern ausfallen und er zu Umstellungen gezwungen ist, lässt Rehhagel von vornherein nicht als Ausrede gelten: »Wenn ich als Profi auf eine Position gestellt werde, muss ich doch wissen, was zu tun ist.« Im Duell mit dem fußballerisch limitierten und offensiv sehr harmlosen Gegner aus Kaiserslautern werden tatsächlich die größere Einsatzbereitschaft und Willenskraft entscheidend sein.

Rehhagel wählt seine Worte immer sehr bewusst. »Man darf nicht kopflos ins Verderben rennen«, sagte er also vor dem Spiel und setzt weiter auf »kontrollierte Offensive«. Denn Rehhagel kennt die klassische Dramaturgie nur allzu gut. Zum Höhepunkt gehört die Peripetie, die Wendung nach der entscheidenden Auseinandersetzung. Tragödie oder Komödie? Der Abstieg wäre das Verderben.

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