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Von Susann Witt-Stahl, Hamburg
23.04.2012

Ein bisschen Verbrüderung

Anhänger von St. Pauli und Hansa Rostock demonstrieren gegen die Polizei - nur nicht gemeinsam

Als der Ball in der 12. Minute im Tor von Hansa Rostock zum 1:0 landet, jubeln rund 2000 St.-Pauli-Fans nicht auf den Rängen des Millerntor-Stadions - sie feiern ihr Team 50 Meter weiter auf dem Südkurvenvorplatz. An dem steinernen Vereinswappen ist ein schwarzes Kreuz aufgehängt. Davor steht, umgeben von Friedhofskerzen, ein Sarg mit der Aufschrift »Fankultur«. Ein Transparent heißt die Besucher ironisch »Willkommen im Gefahrengebiet«.

Das hat die Polizei tatsächlich für das Zweitligaspiel im Stadtteil St. Pauli eingerichtet, um im Fall befürchteter Krawalle mit erweiterten Befugnissen gegen randalierende Fans vorgehen zu können. Die sind mächtig sauer, weil die Ordnungsmacht zum ersten Mal im deutschen Profifußball ein Kartenverkaufsverbot für die Fans des Gastvereins verfügt und gerichtlich gegen den Ausrichter FC St. Pauli durchgesetzt hat.

Dessen Ultras hatten sich daraufhin mit den verfeindeten Rostockern solidarisiert und zum Stadionboykott aufgerufen. Für sie ist die Entscheidung »Skandal« und »Willkür«. Denn »was ein Hochrisikospiel ist und was nicht, definiert die Polizei«, sagt ein Fansprecher. Er wertet die Maßnahme als einen »Angriff gegen die gesamte Fankultur in Deutschland«.

So denken viele Fans bei St. Pauli. »Ich bleibe nicht draußen, weil ich mit den Rostocker Fans sympathisiere. Politisch habe ich mit den meisten von denen nichts gemeinsam«, sagt Simon P. in Anspielung auf die rechte Gesinnung einiger Hansa-Anhänger. »Ich protestiere gegen den Versuch der Polizei, hier einen Präzedenzfall zu schaffen, um zukünftig häufiger Fans den Zutritt in die Stadien zu verweigern.« Holger (»Brülli«) findet die Aktion der Ultras »schwer in Ordnung«. Er und seine beiden Kumpels entern trotzdem ihre Stammplätze auf den Rängen. »Wir haben schon die Eintrittskarten und sind 200 Kilometer aus Verden angereist«, erklärt Holger. »Außerdem müssen wir doch unsere Mannschaft anfeuern.«

Während die Stadionboykottierer - die meisten gut gelaunt mit einem Bier in der Hand - bei vorwiegend sonnigem Wetter das Spiel live über den Radiolautsprecher verfolgen, marschieren etwa 1700 Fans von Hansa Rostock durch den benachbarten Stadtteil Altona und skandieren immer wieder »Ganz Rostock hasst die Polizei«. Ihre Demonstration unter dem Motto »Blau-weiß-rot gegen polizeiliches Kartenverbot« war zunächst untersagt worden. In der Nacht zum Samstag gab das Oberverwaltungsgericht Hamburg dann aber einer Beschwerde der Anmelder teilweise statt. Der von der Polizei - sie war mit einem Großaufgebot von insgesamt 1500 Beamten im Einsatz - abgeschirmte Aufzug verläuft friedlich. Rund um das Millerntor-Stadion indes kommt es vereinzelt zu Zwischenfällen. Einige St. Paulianer brennen Feuerwerkskörper ab und versetzen die unfreiwillig anwesenden Polizeipferde in Angst und Schrecken.

Fußball war gestern Nebensache - für die Kiez-Kicker allerdings eine sehr schöne. In der Anfangsphase der unterhaltsamen Partie erspielten sich noch beide Angriffsreihen zahlreiche gute Einschussmöglichkeiten. Der FC St. Pauli nutzte dann seine größte Chance durch Marius Ebbers’ akrobatischen Einsatz zur 1:0-Führung. In der 49. Minute erhöhte Ebbers auf 2:0. Elf Minuten vor dem Abpfiff sorgte mit Finn Bartels ausgerechnet ein Ex-Rostocker für die endgültige Entscheidung.

Durch den 3:0-Erfolg wahrte der FC St. Pauli seine Aufstiegschance, während Hansa Rostocks Chancen auf den Klassenerhalt bei vier Punkten Abstand auf den Relegationsplatz erheblich gesunken sind.

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