Von Jürgen Holz
23.04.2012

Mannheim mit erstem Matchball

Eishockey: Nach 2:1 über die Eisbären Berlin fehlte ein Sieg zum Titel

Mit dem 2:1-Auswärtserfolg im dritten Playoff-Finalspiel um die deutsche Eishockeymeisterschaft gegen Titelverteidiger Eisbären Berlin waren die Adler Mannheim nach Siegen mit 2:1 im Vorteil. Mannheim fehlte noch ein Sieg am sechsten DEL-Titelgewinn - der sollte am Sonntag (nach Red.) in heimischer Halle gefeiert werden.

»Wir wussten vor dem dritten Match, dass wir in dieser Playoff-Serie unbedingt ein Spiel in Berlin gewinnen müssen, nachdem zuvor jeder seinen Heimvorteil einmal genutzt hatte. Nun haben wir einen wichtigen Schritt getan, aber noch fehlt der endgültige Schritt zum Titel«, meinte der Mannheimer Stürmerstar Yanick Lehoux vor dem Showdown. Mit dem Gedanken an ein fünftes Entscheidungsspiel am Dienstag in Berlin konnte er sich nicht anfreunden: »Ich will auf keinen Fall in dieser Saison noch einmal nach Berlin fahren«, sagte der 30-Jährige.

Lehoux war als zweifacher Torschütze (37., 50. Minute) der »Mann des Abends«. »Es waren vielleicht die bisher wichtigsten Tore meiner Karriere«, strahlte der Center aus Kanada. Er war der Nutznießer eines kapitaler Schnitzers und einer Strafzeit der Eisbären. Als Travis James Mulock nach riskanten Zuspiel den Puck vertändelte, schnappte sich Lehoux die Scheibe und ließ nach einem tollen Sololauf Eisbären-Torwart Rob Zepp keine Chance - 1:1. Das 2:1 fiel, als Jonathan Sim nach einer Attacke mit dem Schläger auf seinen Gegenspieler Marcus Klink eine völlig berechtigten fünfminütige Strafe erhielt und Lehoux die zahlenmäßige Überlegenheit der Adler nach 3:18 min krönte.

Mannheims Trainer Harold Kreis lobte seinen gefeierten Helden. »Er hat einen guten Schuss und ist beim Powerplay ein ganz wertvoller Spieler.« Überhaupt war er angetan von beiden Teams: »Ich habe selten so viel bedingungslosen Willen auf beiden Seiten gesehen, um zum Sieg zu kommen. Wir werden auch am Sonntag unsere Taktik nicht ändern, uns nicht verstecken und die Offensive suchen.«

Statistisch gesehen sprach Manches für die Adler. Fünf von sechs Playoff-Spielen in dieser Saison haben sie auf heimischem Eis gewonnen. Und in der DEL-Hauptrunde hatten sie zu Hause die Eisbären mit 4:2 und 5:2 besiegt. Doch Harold Kreis schüttelte den Kopf und wollte nicht viel auf solche Zahlenspielereien geben. »Vor dem Meisterstück steht noch viel, Arbeit.«

Daniel Hopp, der Geschäftsführer der Adler, wurde da schon etwas deutlicher. Für den Sohn des Mäzen des Fußball-Bundesligisten 1899 Hoffenheim, Dietmar Hopp, ist nach fünf weniger erfolgreichen Jahren des DEL-Rekordmeisters - die letzte der fünf Meisterschaften datiert aus dem Jahr 2007 - »der Titel unser erklärtes Ziel«. Schließlich habe man einen neuen Weg eingeschlagen und wolle dafür endlich belohnt werden. So wurde in Mannheim der Etat um 600 000 Euro auf etwa 7,5 Millionen reduziert. Der einstige Stil, ständig das Team zu wechseln, wurde abgelegt. Es wird auch nicht mehr das ganze Geld vornehmlich in die Stars gesteckt.

Mannheim bedient sich inzwischen mehr und mehr der eigenen Jugend. Dass die sich unlängst im Finale der deutschen Nachwuchsliga gegen die Eisbären Berlin durchgesetzt hat, erwähnte Hopp mit sichtlicher Genugtuung.

Und die Reaktion der Eisbären nach dem verschenkten Heimvorteil? Verteidiger Jens Baxman meinte: »Jetzt müssen wir uns zusammenreißen und als Team Charakter zeigen.« Bringt das wirklich noch die Wende?

Die über 100 Fans, die am Sonnabend, unverzagt auf den zweiten Sieg hoffend, in den Wellblechpalast zum Training der Eisbären gekommen waren, hatten unübersehbar ein Plakat an die Plexiglasscheibe mit der Aufschrift geklebt: »Wir glauben an Euch, es ist noch nichts verloren.«

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