23.04.2012

Klappe zu

Standpunkt von Jörg Meyer

Arme Piraten. Da haben wieder ein, zwei Parteigänger Stuss geredet, und jetzt versucht jeder Journalist, im Interview einen unbedachten Neben- oder Nachsatz zu entlocken, um dann aufzuschreien: »Sie haben es schon wieder getan!« Die Schlagzeile folgte auf dem Fuße: »Piraten müssen über Nazis in eigenen Reihen reden.« Ach, arme, auf den rauen Weltmeeren unerfahrene Piraten! Na, ja und ein bisschen doof ...

Doch so verhält es sich hier nicht. Die Sätze, um die es geht, wurden von Piraten gesagt, die ohne Bedrängnis in ruhigen Gewässern dümpelten. Und zu dem einen, zu den zweien kamen immer neue dazu. Der Berliner Landeschef Hartmut Semken will niemanden verachten und deshalb keine Nazis aus der Partei werfen. Und Martin Delius verglich den Aufstieg seiner Partei mit dem der NSDAP. Was zeigt sich da? Wie viel rechtes Denken gibt es in der ach so modernen Partei? So lange sich die Piraten nicht deutlich von Nazis, Rassisten und Antisemiten abgrenzen, bleiben die Fragen unbeantwortet. »Wir nennen uns weder rechts noch links. Darüber sind wir hinaus«, mault der kritisierte Pirat.

Aber einer Partei, die nur über politische Programmfragmente verfügt und aus der immer wieder krude rechtslastige Thesen zu hören sind, wünscht man doch nichts dringender, als endlich ein bisschen Ideologie und Verachtung gegenüber Nazis zu lernen. Bis dahin kann man auf die am Sonntag von der Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth gestellte Frage, auf welchem Auge der Pirat seine Klappe trägt, nur antworten: Am besten trägt er sie vor dem Mund.

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