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Von Eva Mahnke
23.04.2012

David muss stärker werden

McPlanet.com zu Globalisierung, über Umweltbewegung und für weltweite Gerechtigkeit

Die Symbolik ist drastisch, es geht ums Ganze. »Too big to fail« - zu groß zum Scheitern - mahnten am Wochenende zahlreiche Plakate, auf denen die Weltkugel abgebildet war, von den Wänden der Technischen Universität Berlin.
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»Wir sind David gegen Goliath«, meint Barbara Unmüßig, Vorstandsmitglied der Heinrich-Böll-Stiftung, die in diesem Jahr mit sieben weiteren Umwelt- und globalisierungskritischen Bündnissen den Bewegungskongress McPlanet.com organisiert hat. Die Szene - darunter Aktivisten vom BUND, von attac und terre des hommes - diskutiert nicht nur über die traurige 20-Jahres-Bilanz des Erdgipfels in Rio de Janeiro, sondern fragt sich vor allem auch, wie David gestärkt werden könnte.

Von Freitag bis Sonntag luden acht Umwelt- und globalisierungskritische Organisationen, nun schon zum fünften Mal zum Kongress McPlanet.com ein. Während der Finanz- und Wirtschaftskrise diente der Slogan als Argument für die teure Rettung sogenannter systemrelevanter Banken. McPlanet aber stellte die Frage nach der Systemrelevanz sehr viel grundsätzlicher.

Zwanzig Jahre nach dem UN-Erdgipfel in Rio de Janeiro und kurz vor dem Jubiläumsgipfel Rio+20 im Juni will die Bewegungsszene Bilanz ziehen: Warum wurden die sozialen und ökologischen Probleme trotz verheißungsvoller Versprechungen noch immer nicht gelöst? Immer wieder angegriffen wird das Wortungetüm der Nachhaltigkeit, das auf dem Gipfel von 1992 so vollmundig verkündet wurde. »Das Konzept ist von einer monumentalen Leere«, kritisiert Barbara Unmüßig. Nachhaltige Entwicklung könne eben beides heißen: mehr Wachstum oder mehr Gerechtigkeit. Wie die Verteilung von lebenswichtigen Ressourcen und Wohlstand gesteuert werde, ob Wachstum auch tatsächlich Entwicklung bringe und wer von ihr profitiere, ist mit einem wohlklingenden Begriff noch lange nicht zum Guten entschieden.

Nun macht sich die Umwelt- und globalisierungskritische Szene auch daran, die nächste Worthülse als leer oder gar schädlich zu entlarven: das Konzept der »Green Economy«, das die Vereinten Nationen als Allheilmittel auf die Agenda gesetzt haben. Der Reiz des Konzeptes liegt in seinem Versprechen, dass alles beim Alten bleiben könne, wenn die Wirtschaft nur grüner würde. Das wollten viele auf dem Kongress so nicht glauben, was vor allem den Veranstaltungen zu Lebensstil und Konsumkritik volle Säle bescherte. Anders muss es werden, so die einhellige Meinung. Überhaupt sollte es auf dem fünften McPlanet-Kongress weniger darum gehen, das Bestehende wieder und wieder zu kritisieren und sich »an der Gegenseite abzuarbeiten«. Stattdessen geht es um Energiedemokratie und demokratische Stadtwerke, solidarische Landwirtschaft und das Teilen der Ernte sowie um Gemeingüter und eine neue Politik jenseits von Staat und Markt - kurz: um Ideen für eine alternative Welt. Die nehmen Aktivisten wie etwa die 27-jährige Elke, die in Halle ehrenamtlich bei Greenpeace arbeitet, nun als neue Impulse mit. »Ich wollte das Thema Landwirtschaft im größeren wirtschaftlichen Kontext verstehen. Dazu habe ich hier einiges gelernt.«

Auf globaler Ebene, so die große Hoffnung, soll Rio+20 die entscheidende Trendwende bringen. »Wir brauchen eine große Transformation unseres Produktions- und Konsummodells«, brachte Barbara Unmüßig die Mammutaufgabe auf den Punkt. In den Foren und Panels wurden allerdings immer wieder Zweifel laut, ob das gelingen kann.

Umso wichtiger, dass die Bewegungsszene sich nicht nur über Alternativkonzepte den Kopf zerbricht. »Wie kann die Bewegung ihren Einfluss auf die Politik zurückgewinnen?« fragten sich die Kongressorganisatoren in einem eigenen Forum. »Wir müssen viel stärker Finanzmarktfragen und wirtschaftspolitische Themen angehen, forderte Attac-Aktivist Chris Methmann. Nur so könne man mit seinen Themen den Zeitgeist treffen.

Das allein reicht aus Barbara Unmüßigs Sicht jedoch nicht aus. »Wir müssen solche Themen wählen, die zeigen, wie die verschiedenen Krisen wie die Klima-, Nahrungs- und Wirtschaftskrise zusammenhängen. Ein guter Aufhänger wäre zum Beispiel das Thema Agrarspekulation.« Zudem müsse man sehr viel strategischer vorgehen. »Wir sind sowie schon David gegen Goliath. Mit mehr Strategie könnten wir aber ein größerer David werden.«

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