Roter Aufstand in Indien

Der schwedische Schriftsteller Jan Myrdal über seinen Besuch bei den Naxaliten

Die Kommunistische Partei Indiens (Maoisten) lud Jan Myrdal ein, damit er sich ein Bild vom verzweifelten Widerstand der indischen Adivasi und Dalit machen konnte. Diese kämpfen als Naxaliten gegen eine Regierung, die ihnen ihr Land raubt und durch einen »Krieg niedriger Intensität« bekämpft. Der Schriftsteller wanderte 16 Tage mit ihnen durch den Dschungel. Gerade erschien sein Buch »Roter Stern über Indien«. Mit dem 85-Jährigen sprach für »nd« Antje Stiebitz.

Schriftsteller Jan Myrdal
nd: Woher kommt Ihre Sympathie für die Naxaliten?Myrdal: Ich bin Kommunist. 1943 trat ich dem schwedischen Jugendverband, 1948 der Partei bei. Bei uns war die Partei während des Krieges nicht verboten, nur halbverboten. Ich bin kein Renegat, aber 1965 war ich der Meinung, dass die Partei auf einem falschen Weg war und zwar in zwei wichtigen Fragen: Die Dritte-Welt-Frage und die Entwicklungen in der Sowjetunion und Zentralasien. Ich hatte damals eine lange Korrespondenz mit meinem Freund und Parteivorsitzenden Carl Henrik Hermansson, und wir waren uns beinahe einig. Aber bei der schwedischen Parteikonferenz im selben Jahr hat er mich als parteilos bezeichnet. Seitdem bin ich parteiloser Kommunist. Ich bin kein Naxalit, aber ich habe großes Verständnis. Sie wurden von der CPI, der Kommunistischen Partei Indiens (Maoisten) eingeladen, über die Naxaliten zu schreiben? 1980 war ich mit meiner Familie bereits in Andhra Pradesh. Dort sind wir in den Untergrund gegangen, und darüber habe ich schon damals geschrieben. Das Buch »Indien bricht auf« wurde auch in Indien in mehreren Sprachen aufgelegt. So bekam ich ein Telefonat, in dem man mir sagte, dass die Leitung der CPI und die Guerilla-Führung mich für zwei Wochen im Dschungel sehen wollen. Also bin ich, die Partei hat das alles gut organisiert, wieder in den Untergrund gefahren. Ich bin zwar schon 85 Jahre und habe schlechte Knie, doch wir sind durch den Dschungel gewandert. Dort herrscht ein Bürgerkrieg. Worüber haben Sie mit den Aufständischen gesprochen? Wir kamen nachts in das Lager, aus dem Dschungel kam eine Gruppe von Menschen, und dann diskutierten wir mit dem Generalsekretär über Fragen der linken Bewegungen in den imperialistischen Ländern, über die Arbeiterklasse und über die jetzigen imperialistischen Kriege. Wir haben darüber gesprochen, wie man die Gesellschaft anders organisieren kann und ob es eine Industrialisierung von unten geben kann. Sie haben Mao Zedong gelesen, und ich war während der Kulturrevolution häufig in China. Also haben wir uns über China unterhalten. Wo stehen die Naxaliten im Kampf um ihre Rechte? Das Volk, die Naxaliten, kämpfen bereits seit 1967. Wir sind jetzt in einer Situation in der es vielleicht 300 Jahre Krieg und Unterdrückung geben wird. Zumindest hat es in Europa 300 Jahre gedauert, den Feudalismus halbwegs zu unterdrücken. Die Naxaliten wissen, dass sie diesen Kampf in den nächsten 30 Jahren nicht gewinnen können. Sie sprechen über einen lang andauernden bewaffneten Kampf.

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