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24.04.2012

Erfahrung findet das Essen

Kommentar von Markus Drescher

Alter schützt vor Torheit nicht. Nicht vor der eigenen, aber auch ganz besonders nicht vor der Torheit der anderen, die Alter für Leistungsschwäche oder einen anderen Makel im Verwertungsprozess halten. Vor Diskriminierung wegen des (höheren) Alters sind dabei weder Arbeitnehmer noch, wie im vorliegenden Fall, ein Geschäftsführer gefeit. Genauso wenig wie die vielen Tausend Erwerbslosen, die nicht mehr aus Hartz IV rauskommen, weil sie jenseits der 50 sind. Deren Diskriminierung ist allzu offensichtlich, sie zu beweisen allerdings kaum möglich.

Ob nun Manager oder Hartz-IV-Betroffener: Zwar sind die Chancen sich zur Wehr zu setzen unterschiedlich, die Diskriminierung jedoch basiert auf der gleichen Einstellung und Praxis zum Alter. Es wird als Belastung gesehen. Nur das Junge gilt als dynamisch, erfolgshungrig und was sonst noch für Schlagworte im Geschäftsleben kursieren, die einen möglichst hohen Gewinn versprechen. Doch wer hungrig ist, weiß deshalb noch lange nicht, wie man etwas zu Essen findet. Sprich: Auch Erfahrung zählt, oder besser: sollte wieder viel mehr zählen. Genauso wie Jüngere die Chance haben müssen, einen Berufseinstieg zu schaffen, muss es Älteren ermöglicht werden, bis zum Rentenalter zu arbeiten - wenn sie das wollen und können natürlich. Denn hier tut sich ein weiteres Problem auf: die Rente mit 67. Bis zu diesem Alter zu malochen, ist in manchen Berufen einfach nicht machbar.

So gibt es hier eine paradoxe Situation: Ältere Erwerbslose wollen arbeiten, finden aber keine Arbeit. Ältere wollen arbeiten, werden aber durch Jüngere ersetzt. Andere können nicht mehr arbeiten, müssen aber solange wie möglich durchhalten, weil sonst die Rente zu gering ist und Altersarmut droht. Besonders vor dem Hintergrund der immer älter werdenden Gesellschaft ist es bisher noch nicht gelungen, die Arbeitswelt an die veränderten demografischen Bedingungen wie auch unterschiedliche Lebensentwürfe anzupassen. Statt sich etwa für Arbeitszeitverkürzung oder flexible Lebensarbeitszeiten einzusetzen, wird nach wie vor zu sehr an starren Modellen festgehalten. Und alles, was irgendwie nach vermeintlichem Nachteil für die Wirtschaft klingt, wird sobald keine reelle Chance haben. Solange müssen die Interessen der Beschäftigten hinter den Regeln des ruinösen internationalen Wettbewerbs zurückstehen.

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