Oliver Händler
25.04.2012
Einwurf

Vertrieben

Steigende Mieten und die Verdrängung der armen Bevölkerung aus Stadtzentren sind bei weitem kein rein deutsches Problem. Seit Jahren klettern die Mieten in London drastisch, und die Olympischen Spiele beschleunigen diesen Trend auch noch.

Sir Robin Wales, Bürgermeister des Stadtteils Newham rund um den Olympiapark, griff nun zu drastischen Mitteln: Er kündigte die Ausweisung von 500 der ärmsten Familien an, die Sozialleistungen der Kommunen beziehen. 1179 Sozialwohnungsgesellschaften - teilweise mehr als 200 Kilometer entfernt - wurden gebeten, die Menschen aufzunehmen. Die Gemeinde könne die Mieten auf dem privaten Wohnungsmarkt nicht mehr aufbringen, und das Kappen des Wohngeldes durch die Regierung verschärfe das Problem, so Wales. Immer mehr Menschen aus wohlhabenden Gegenden würden ins Londoner Armenhaus getrieben.

Der Bürgermeister bekommt nun von allen Seiten Kritik. Sozialverbände werfen dem Labour-Politiker »soziale Säuberungen« vor. Der konservative Wohnungsstaatssekretär Grant Shapps sagt, Wales versuche nur, polemisch die bevorstehenden Bürgermeisterwahlen in London zu beeinflussen.

Die 1379 Sozialwohnungen, die nach den Spielen vom Olympischen Dorf übrigbleiben, werden auf Dauer jedenfalls nicht ausreichen, um den Exodus aufzuhalten. Das Problem gab es schon in Vancouver, doch darüber redet das IOC nicht gern.

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