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Hans-Dieter Schütt
26.04.2012

Der Luftkrieg kam aus Deutschland

Vor 75 Jahren wurde das baskische Gernika (spanisch: Guernica) Opfer deutsch-faschistischen Bombenterrors. Die Empörung Pablo Picassos wurde damals zu Kunst, die seither als ein Ur-Bild wider die Barbarei gilt: »Guernica« (1937). Das Gemälde ist dämonisch aschefahles Grau, dramatisches Hell-Dunkel, dröhnendes Chaos. Nicht das Unrecht, das Lebensrecht schreit zum Himmel - der weit oben sein muss, weil das Lebensrecht blutend, brüllend tief am Boden liegt. Es ist dem Maler unmöglich, ein unverletztes Antlitz zu schaffen. Realer Brandfläche antwortet er mit Fläche aus Schrei. Picasso verbrachte den Zweiten Weltkrieg im besetzten Paris. An Besatzeroffiziere, die seine Kunst sehen wollten, verteilte er regelmäßig Postkarten von »Guernica«. Einer fragte, ob er das gemacht habe. Picasso: »Nein, Sie.« Sinn von Unsterblichkeit ist es, zu peinigen. Als US-Lügner Powell 2003 vor der UNO die Welt mit »Gründen« für den Irak-Krieg betrog, trat er ungewollt in die Reihe derer, die Picasso angeklagt hatte: Er ließ eine »Guernica«-Kopie im Saal verhüllen. So bekräftigt Kunst ihren Ruhm - indem sie das böse Wirkliche zwingt, in einen peinigenden Spiegel zu schauen. Den es am liebsten zerschlagen würde. Bilanziere keiner zu großzügig, der sagen soll, wie viel Zeit seit jenem 26. April 1937 vergangen sei.

1 Kommentar

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  • amenpanufer / 25. Apr 2012 23:31

    ein paar ergänzungen

    bleibt bei diesem hervorragenden artikel nur noch zu ergänzen, dass in spanien auch unter demokratischen regierungen eine todesschwadron andersdenkende verfolgte, und zwar egal, ob diese schon unter franco zu den waffen gegriffen hatten oder "bloß" versuchten, eine politische partei nach der diktatur aufzubauen (de.wikipedia.org/wiki/Grupos_Antiterroristas_de_Liberaci%C3%B3n),
    dass folter auch heute noch ein alltägliches mittel sanischer polizeiarbeit ist (www.amnesty.de/jahresbericht/2011/spanien#folterundanderemisshandlungen),
    dass selbst friedliche demonstranten in den fokus der terrorfahnder geraten (www.taz.de/!91635/),
    dass die kanpp 1000 politischen gefangenen immer noch entgegen den bestimmungen des spanischen strafrechts tausende kilometer von ihrem zu hause entfernt in gefängnissen gehalten werden.
    nicht unwichtig ist ferner zu ergänzen, dass noch unter franco die vertreter der deutschen industrie gern nach spanien fuhren, um ihre fabriken ua. dorthin auzulagern, weil das faschistische regime eine weit billigere arbeitskraft garantierte und die friedhofsruhe eines polizeistaates, in dem keiner wagen würde, einen streik anzuzetteln.

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