Von Ariane Mann
26.04.2012

Verschwundene Orte

Rundgang durch das Tiergartenviertel des Kunsthandels nach einer Ausstellung des Aktiven Museums

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Andrang am Auktionshaus Hans W. Lange, einst in der Bellevuestraße 7

In der Bellevuestraße 1 an der Esplanade Residence beginnt am Samstag eine Stadtführung von Regina Wosnitza und Heike Stange zu Orten des Kunsthandels im Tiergartenviertel des 20. Jahrhunderts bis heute.

In den 1920er Jahren war hier das Zentrum des Berliner Kunsthandels. Etwa 200 Kunst-, Antiquitäten- und Asiatica-Handlungen befanden sich rund um den Kemperplatz. Der Rundgang führt vom Potsdamer Platz, am Lützowufer entlang in die Potsdamer Straße und macht auf Schauplätze aufmerksam, die auch in der Ausstellung »Gute Geschäfte - Kunsthandel in Berlin 1933-1945« im Haus am Kleistpark beschrieben sind. Dabei werden verschwundene Orte und versteckte Höfe aufgesucht und der Charme des alten Berlins aufgespürt.

Über einen »wahrhaft beglückenden Spaziergang« an einem Sommerabend des Jahres 1927 schrieb der Dichter und Schriftsteller Hans Bethge (1876-1946), als er, vom Potsdamer Platz kommend, »schlendernd in die Bellevuestraße« einbog. »Diese alte Straße. Früher eine der vornehmsten und ruhigsten Wohngegenden der Stadt, hat sich allmählich in eine wichtige Geschäftsstraße verwandelt, und zwar haben sich hier die Kunsthändler niedergelassen und bieten ihre erlesenen Kostbarkeiten in schön gepflegten Läden an, die alle Schaufenster haben.«

Die kulturhistorische Ausstellung des Aktiven Museums wurde 2011 mit großem Erfolg im Centrum Judaicum sowie im Landesarchiv gezeigt. Sie dokumentiert am Beispiel von 14 Kunsthandlungen und Auktionshäusern, wie die nationalsozialistische Kulturpolitik auf eine bis 1933 weitgehend unabhängige Branche Einfluss nahm. Da sich am traditionellen Standort des einstigen Galerienviertels, dessen Ära mit der Naziherrschaft und dem Zweiten Weltkrieg zu Ende ging, wieder zahlreiche Kunstläden und Galerien ansiedeln, lag es nahe, die informative Exposition nochmals zugänglich zu machen.

Das Haus am Kleistpark liegt in unmittelbarer Nachbarschaft und ist ebenso wie das Aktive Museum um lebendige Erinnerungskultur bemüht. Seit Jahren spürt das Aktive Museum e.V. vernachlässigte Aspekte der Geschichte der Stadt in der Nazizeit auf, erforscht sie, macht sie in der Öffentlichkeit bekannt und regt, wie hier zur »Raubkunst«, Debatten an.

Rundgang am 28.4., 14 Uhr, und ab 5 Pers. nach Vereinbarung, 10 Euro p.P., Tel.: 263 98 90 39, info@aktives-museum.de; Ausst. bis 20.5. Di.-So. 10-19 Uhr, Eintr. frei, Haus am Kleistpark, Grunewaldstr. 6-7, 10823 Berlin

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