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Von Marcus Meier
27.04.2012

Wähler trauen der NRW-LINKEN wenig zu

In zentralen Politikfeldern wird die Kompetenz der Linkspartei als gering erachtet

Vor der Landtagswahl dümpelt die Linkspartei in Umfragen bei drei Prozent. Auch trauen die Wähler ihr wenig zu. So glaubt nur jeder 30. Befragte, die LINKE könne für soziale Gerechtigkeit sorgen. Landesparteichef Hubertus Zdebel übt Selbstkritik: Die NRW-LINKE habe ihre Inhalte noch nicht in der Öffentlichkeit verankern können.
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Mühe, die LINKE zu entdecken?

Zweieinhalb Wochen vor der Wahl muss die LINKE befürchten, aus dem Landtag von Nordrhein-Westfalen zu fliegen. Seit Monaten geben weniger als fünf Prozent der Befragten an, sie wollten die Linkspartei wählen, wenn am nächsten Sonntag Landtagswahl wäre. Meist lag der Wert zuletzt bei drei, seltener bei vier Prozent. Bis März waren die Werte deutlich besser: Von einzelnen Ausreißern nach unten abgesehen, wurden der Linkspartei in NRW stets fünf bis sechs Prozent prognostiziert.

Die Wähler trauen der LINKEN zudem inhaltlich wenig zu - das belegt der »Nordrhein-WestfalenTREND April 2012«, den das Meinungsforschungs-Institut Infratest dimap im Auftrag des Rundfunksenders WDR erstellte. So glaubt nur ein Prozent der Wähler, die LINKE könne »die wichtigsten Probleme NRWs« am ehesten lösen. CDU (29), SPD (39) und Grüne (4 Prozent) schneiden diesbezüglich deutlich besser ab als die LINKE, Piraten und FDP genauso schlecht.

Egal, ob bei den Themen Arbeitsplätze, Wirtschaft, Umwelt, Schulden, Bildung - stets erwarten maximal zwei Prozent von der Linkspartei den besten Auftritt von allen. Eine gute Nachricht allenfalls wäre: In all diesen zentralen Politikfeldern hat sich ihr Wert seit Oktober 2011 um ein Prozent gesteigert - meist jedoch von null auf ein Prozent.

Hubertus Zdebel, Landeschef und Wahlkampfleiter der NRW-LINKEN, macht für die miserablen Umfragewerte teils die Medien, teils eigene Fehler verantwortlich: »Wir kommen medial nicht zur Geltung, werden oft ignoriert oder unfair behandelt.« Auch sei es für kleine Parteien schwieriger, als kompetent wahrgenommen zu werden. Zudem habe die LINKE ihre Kernforderungen bisher in der Öffentlichkeit nicht so verankern können, wie es aus Zdebels Sicht eigentlich nötig wäre. Darüber hinaus habe die Führungsdebatte der Bundespartei der wahlkämpfenden NRW-LINKEN »keinen Rückwind« verschafft. Und schließlich unterlägen »viele Menschen wieder dem Irrglauben, die SPD sei eine soziale Partei«.

Noch den besten Wert erzielt die LINKE im Kompetenzfeld »für soziale Gerechtigkeit sorgen«. Doch selbst hier sind lediglich drei Prozent der Wähler der Ansicht, die LINKE sei jene Partei, die diese Herkules-Aufgabe am ehesten bewältigen könne. Der Kompetenzwert der SPD liegt mit 47 Prozent weitaus höher, selbst die CDU darf sich einer 20-, die Grüne-Partei einer siebenprozentigen Zustimmung erfreuen.

Generell werden die beiden großen Parteien als am kompetentesten wahrgenommen: In allen abgefragten Bereichen liegen SPD und CDU weit vorne, mit Ausnahme der Umweltpolitik, wo die Grünen mit 61 Prozent brillieren.

Nun ist die einer Partei subjektiv zugeschriebene Kompetenz nicht allein Ausschlag gebend für das Verhalten in der Wahlkabine: So sind die Kompetenzwerte der Piratenpartei unter dem Strich noch schlechter als jene der LINKEN. Trotzdem wird den Polit-Newcomern ein Wahlergebnis zwischen acht und elf Prozent prognostiziert.

Doch auch das Herz des Zeitgeistes schlägt nicht links. Die LINKE fordert als einzige Partei ein alternatives Konzept zum Schuldenabbau: Sie will die Einnahmesituation erheblich verbessern, insbesondere durch eine Millionärssteuer und mehr Steuerprüfer. Laut einer Umfrage der liberalen »WirtschaftsWoche« jedoch will eine Mehrheit der Menschen an Rhein und Ruhr vor allem dreierlei: sparen, sparen sowie sparen.

76 Prozent wollen demgemäß die »Ausgabenlast senken«, 52 Prozent Verwaltungspersonal reduzieren. Ebenso viele Befragte meinen, »Fördermittel für die Wirtschaft« müssten abgeschmolzen werden. Mehr als jeder Fünfte will gar »Sozialleistungen verringern«. Auf die abstrakte Frage, ob »Steuern erhöht« werden sollten, antworteten 18 Prozent mit ja. Explizit nach höheren Steuern für Vermögende, Bestverdiener und Unternehmen wurde indes nicht gefragt.

13 Kommentare

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  • max-stirner / 27. Apr 2012 11:00

    alles eine frage von BILDung?

    entweder taugen diese umfragen nichts, oder ein großteil der gefragten ist schon dermaßen verBILDet, daß es den Wald vor lauter bäumen oder die bäume vor lauter wald nichts sieht.
    ausgerechnet die parteien, die hartz IV und agenda 2010 zu verantworten haben mit allen sozialpolitischen verbrechen, die daraus folgten, sollen in sachen "soziale gerechtigkeit" und wirtschaftspolitik eine weitaus höhere kompetenz als die Linken haben?
    käme ich von einem anderen planeten, müßte ich mich ob solcher ignoranz wundern, aber da ich ein hiesiger bin, bleibt nur noch verzweifeltes kopfschütteln.

  • Solidaritaet / 27. Apr 2012 12:57

    Re: alles eine frage von BILDung? Nein, von Vernunft und Intelligenz.

    Was, max-stirner, sollte denn die Wähler in einem Stammland der Arbeiterschaft wie NRW konkret veranlassen, die Linke zu wählen? Vermeintliche Fehler der anderen können ja wohl nicht reichen.

  • guenter1952 / 27. Apr 2012 15:59

    Re: alles eine frage von BILDung?

    Nicht nur, aber sicher auch.
    Und es gibt sicher mehrere Gründe dafür, das die Linke nicht mehr Menschen erreicht, z.B.:

    die Linke hat bis heute nichts erreicht, um die Lage von HartzIV-Empfängern zu verbessern. Warum sollte jemand glauben, das die Linke in naher Zukunft etwas für diese Menschen erreicht? Tatsache ist doch, das es keinen Grund für so eine Hoffnung gibt.

    Und die inkompetente Führung der LInken in Berlin, die so gern von den "Wegen zum Kommunismus" faselt, ist auch keine Hilfe dabei, um Menschen zu gewinnen. Denn mit dem verbranntem Begriff "Kommunismus" sind nur noch ein paar hundert Traumtänzer zu gewinnen, aber keine Wähler.

    Und das die Linke gesellschaftliche Solidarität vertritt, ist sicher richtig - aber strahlt die Linke dies intern überhaupt aus?

    Das die Linke erfahrene und mächtige Feinde hat, die die Linke gern auschalten wollen, ist auch klar. Da hilft nur selbstbewusstes Dagegenhalten - und nicht ängstliches Gestammel wie in der "Antisemitismus-Debatte".

    Ja, es gibt viele Gründe - äussere und innere.

  • guenter1952 / 27. Apr 2012 18:01

    Re: Re: Re: Nein, Antisemitismus ist in der Linken nicht zu Hause,

    aber wenn Kritik der Linken an der Besatzungsmacht, an Unterdrückung und
    Entrechtung als Antisemitismus diffamiert wird, dann sollte die Linke schon
    dagegenhalten und sich nicht unterkriegen lassen.
    Körperverletzung bleibt Körperverletzung, Landraub bleibt Landraub - auch wenn die Aktiven Israelis sind.

  • vlun / 27. Apr 2012 19:38

    Re: Re: alles eine frage von BILDung?

    Sehr wahrscheinlich.

    Zitat
    "Das die Linke erfahrene und mächtige Feinde hat, die die Linke gern auschalten wollen, ist auch klar. Da hilft nur selbstbewusstes Dagegenhalten"
    Zitatende

    Sehr richtig.
    Vor Allem darf man nicht schon die Schere im Kopf haben und sich von _eben jenen_ (s.o.) ständig in die Defensive drängen lassen.
    Ohne Kampfgeist und Überzeugungsarbeit lassen sich in einer Mediengesellschaft keine Stimmengewinne mehr erzielen. Eine Partei, die das nicht leisten will oder kann, muss sich dann eben mit der Oppositionsbank und dem Dasein als Ansammlung von Biertischstrategen und Pantoffelrevolutionären begnügen.
    Nichtsdestotrotz wird es m.E. bei den anstehenden Wahlen spannend werden,
    wir werden sehen.

  • 123DDR / 28. Apr 2012 01:37

    @guenther52 und vlun, das klingt ja richtig verschwörerisch.....

    Wer sind denn diese "erfahrenen und mächtigen Feinde", die es der Linken vereiteln, die Menschen zu erreichen?

  • utkiek / 28. Apr 2012 07:46

    Wähler trauen der NRW-LINKEN wenig zu

    1. Hat es die Linkspartei hier in NRW nicht geschafft, einen nennenswerten Wählerstamm aufzubauen. Dieses ist nachvollziehbar, da hat sie in Ostdeutschland 40 Jahre und eine Menge vom damaligen System Begünstigte Vorsprung.

    2. Fehlt im Gegensatz zum Saarland eine "Persönlichkeit", die es versteht, die Menschen in ihrer "eigenen Sprache" anzusprechen. Eine S. Wagenknecht hat hier mehrfach und in verschiedenen Wahlkreisen probiert, ein Mandat abzugreifen, war aber nach der jeweiligen Wahl schnell wieder verschwunden. Zudem kam ihr Hummeressen bei dem angesprochenen Wählerkreis nicht sonderlich gut an.

    3. Haben die Wähler erkannt, dass sie mit einer Stimme für diese Partei NICHTS an ihrer evtl. präkären Situation ändern werden.

    4. Ist das Personal, welches die Linkspartei auf Landesebene und konkret "vor Ort" vertritt nicht grade durch besondere Seriosität aufgefallen. Ein Teil der Abgeordneten wird vom Verfassungsschutz beobachtet, verklärt die DDR als "demokratisch" oder gibt sich neo-kommunistischen Träumereien hin. Ein weiterer Teil scheint ein, sagen wir mal mindestens "diskusionswürdiges" Verhältnis zum Thema Israel/ Jüdischer Glauben zu haben. Ein weiterer Teil besteht aus Leuten, die sich schon seit Jahrzehnten in irgendwelchen linken Vereinigungen/ Parteien tummeln. Deren politisches "Wirken" genoss hier nie besonders hohes Ansehen.

    5. Versucht diese Partei Wählerstimmen für eine Landtagswahl mit Themen zu gewinnen, die auf dieser Ebene überhaupt nicht durchgesetzt werden können, Beispiel: "Höhere Löhne", "Millionärstseuer", "Weg mit H4"

    6. Was dass letztgenannte Thema "H4" betrifft, haben die Wähler die damalige Notwendigkeit der Reform der Arbeitslosenversicherung erkannt

    Ihnen, Max Stirner, empfehle ich, sich über den Bergriff "Verbrechen" noch einmal genauer zu informieren, dann werden Sie feststellen, dass dieser im Zusammenhang mit der derzeitigen Sozialpolitik völlig Fehl am Platze ist

  • guenter1952 / 28. Apr 2012 13:23

    Re: Mein Tet lautete:

    "Das die Linke erfahrene und mächtige Feinde hat, die die Linke gern auschalten wollen".
    Damit meine ich z.B. Politiker der etablierten Parteien und die Herren der etablierten Medien.
    Das ist doch nicht so schwer.

  • Solidaritaet / 28. Apr 2012 16:19

    Re: Re: Mein Tet lautete:

    Mit diesem Tet ließe es sich bis zum Dezernatsleiter beim Thüringer Verfassungsschutz bringen - mit der analytischen Begründung auch.

    Wie verhindern denn diese "Herren", dass die Linke beim Wahlvolk auf Anklang stößt? Voodoo- Zauber kann's ja nicht sein. Wenn die Linke so überzeugend ist, wie Sie meinen und sie annimmt, warum klappt's dann nicht? Vor allem aber: Warum werden die guten Initiativen in der Linken, die Verantwortung bei sich zu suchen, so wenig unterstützt?

  • maaajurumare / 30. Apr 2012 07:42

    Re: Re: alles eine frage von BILDung?

    Worin lag das "ängstliche Gestammel in der Antisemitismus-Debatte"? Geht es um jene, die den Antisemitismus-Vorwurf den Linken gegenüber erhoben haben oder um jene, die den Antisemitismus-Vorwurf zurückgewiesen haben?

    Was wäre die richtige Reaktion in der Antisemitismus-Debatte gewesen?

    Ich meine, die Linke hätte sehr viel entschlossener gegen antisemitische Tendenzen vorgehen müssen.

  • Solidaritaet / 30. Apr 2012 08:20

    Die schlechte Ausgangslage wird von Herrn Meier erfreulich offen kommuniziert

    und analysiert. Herr Zdebel allerdings liegt mit seiner Analyse daneben - selbst wenn man sehen muss, dass er persönlich involviert ist.
    Bemerkenswert ist zunächst, dass Herr Zdebel als erste Ursache der schlechten Umfragewerte "die Medien" ausmacht. Die Hauptverantwortung scheint der Vorsitzende also weder bei sich oder der Partei, sondern bei anderen auszumachen. Hierbei spielt keine Rolle, ob seine Medienkritik berechtigt ist, oder nicht (sie ist es nicht). Entscheidend ist, dass die eigene Mitverantwortung nicht im Vordergrund steht. Wer die Ursache für Fehlentwicklungen aber nicht zuerst bei sich sucht, macht es sich mit der Korrektur unnötig schwer - und positioniert gleichzeitig die Dauer-Ausrede, die Schuld hätten die anderen.
    Zweiter Analysefehler: Herr Zdebel meint, es sei für kleinere Parteien schwieriger, als kompetent wahrgenommen zu werden. Das ist nicht richtig. Da braucht man sich nur die Kompetenzwerte anderer kleiner Parteien anzusehen.
    Dritter Analysefehler: Die "Kernforderungen" seien, so Herr Zdebel, in der Öffentlichkeit nicht "verankert" worden. Was soll das eigentlich heißen? Es geht mit NRW um das Stammland der Arbeitnehmerschaft schlechthin. Wenn die Forderungen der Linken dort nicht auf fruchtbaren Boden fallen, wo dann? Und welche Rückschlüsse sind hieraus angesichts des hohen Durchschnittsalters der Wähler der Linken für die neuen Länder zu ziehen. Ist die Linke dort eher ein Veteranen-Verein als vom Erfolg ihrer Forderungen getragen?
    Vierter Analysefehler: Die Bundespartei ist schuld. Das soll wohl der von Herrn Zdebel angedeutete "eigene Fehler" sein. Mit anderen Worten: Die Medien ignorieren die Linke, die Menschen verstehen die Forderungen der Linken nicht und die Bundespartei streitet sich. Im NRW-Landesverband sind also keine Fehler gemacht worden. Alles in Butter also? Die NRW-Kompetenzwerte des Landesverbandes von Herrn Zdebel scheinen richtig zu sein.

    Konsequenz: Die NRW-Linke kann nichts ändern. Nur ein NRW-Problem?

  • Falo / 30. Apr 2012 10:15

    Entschlossen gegen Antisemitismus

    >> Ich meine, die Linke hätte sehr viel entschlossener gegen antisemitische Tendenzen vorgehen müssen.

    Ok, vor allem gegen den Antisemitismus in der Gesellschaft.
    www.stern.de/politik/deutschland/studie-ueber-antisemitismus-judenfeindlichkeit-ist-in-deutschland-weit-verbreitet-1777086.html
    www.tagesschau.de/inland/antisemitismus108.html

    Um die Diskussion mal wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen.

  • maaajurumare / 30. Apr 2012 16:02

    Re:noch zu wenig Entschlossen gegen Antisemitismus

    Ein typisch linker Reflex, Falo. Gibt es etwas zu kritisieren, macht das nichts, denn andere machen auch Fehler. Und schon braucht man sich nicht mehr zu kümmern, als andere auch. Meinen Sie nicht, die Linke solle besser sein, als der Durchschnitt?

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