27.04.2012

Kriegsverbrecher

Kommentar von Olaf Standke

Seit 2007 wurde in Den Haag gegen Charles Taylor verhandelt, schon vor einem Jahr sollte das von der sierra-leonischen Regierung und den Vereinten Nationen gemeinsam installierte Sondertribunal sein Urteil gegen den liberianischen Warlord und Ex-Diktator fällen. Gestern nun haben es die Richter verkündet: schuldig. In elf Punkten war der 64-Jährige beschuldigt worden, von Mord bis zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Schon vor einem Jahrzehnt hatte ihm ein UN-Bericht den illegalen Handel mit Tropenholz und Blutdiamanten vorgeworfen. Angeklagt wurde Taylor dann aber nicht für seine Verantwortung in jenen zwei Bürgerkriegen, die er im heimatlichen Liberia angezettelt hat, sondern für die Unterstützung der brutalen Rebellentruppe »Revolutionäre Vereinigte Front« (RUF) im benachbarten Sierra Leone. Auch dort kostete der jahrelange bewaffnete Konflikt Hunderttausende Tote.

Taylor ist gestern als erster Ex-Staatschef seit den Nürnberger Prozessen von einem internationalen Tribunal für schuldig befunden worden. Bis zuletzt hat er alle Vorwürfe bestritten. Sein Anwalt spricht von einem »politisch motivierten« Prozess und »selektiver Verfolgung«, sein Mandant sei zur Zielscheibe für einige westliche Länder geworden. Freilich sind viele der ihm vorgeworfenen Gräueltaten belegt. Und doch bleiben Fragen, wenn man weiß, dass Taylor einst im Dienste jenes Landes stand, das ihn später besonders hartnäckig verfolgte: Seit den 1980er Jahren lief er an der Leine des USA-Auslandsgeheimdienstes CIA.