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Brigitte Müller, Hobbygärtnerin und Umweltautorin
28.04.2012

Lenzens Lieblingsfarbe ist unbestreitbar Blau

GARTEN: Wenn die Natur aus dem Winterschlaf erwacht, haben viele Kleine ihren großen Auftritt

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Schwelgen in grandiosem Azurblau: Gedenkemein, auch Waldvergissmeinnicht genannt.

Ein Spaziergang durch den erwachenden Garten ist für mich immer wieder faszinierend. Glücklich, wer ihn täglich machen kann; was gestern noch nicht da war oder zu klein, um gesehen zu werden, leuchtet uns heute unübersehbar entgegen.

Jedes Jahr neu können wir unser blaues Wunder um diese Zeit erleben, denn blau scheint wohl Lenzens Lieblingsfarbe zu sein. Meine ist es übrigens auch. So haben sich über Jahre viele Arten mit dieser Blütenfarbe in meinem Garten eingerichtet (einige ganz ohne mein Zutun). Sie sind einfach da und vermehren sich unermüdlich, um anspruchs- und dem Betrachter selbstlos pure Freude zu bereiten. Die meisten ziehen sich nach der Blüte zurück, die anderen halten mit ihren Blättern den Boden bedeckt. Diesen grünen Teppich kann man dann nach Lust und Laune mit Sommerblumen besticken.

Viele der blauen Blütensterne und -glocken werden heiß geliebt von Hummeln, Wildbienen, Schmetterlingen: Nektar schlürfen nach der langen Winterzeit ist für sie sicher traumhaft. Schön, wenn sie sich in unseren Gärten dazu niederlassen können auf Apollo-, Perl- und Traubenhyazinthen, Anemonen, Szilla, Lungenkraut, Immergrün, Schneestolz, Leberblümchen, Iris, Kissenphlox, Blaukissen, Gundermann, Günsel, Veilchen und nicht zu vergessen: Vergissmeinnicht verschiedener Art.

Wochenlang blüht das Kaukasusvergissmeinnicht (Brunnera macrophylla), das an lockeren Rispen über den Blättern nach und nach seine Blüten öffnet. Es ist eine kompakt wachsende Staude, die stattliche Horste bildet, die bei Bedarf auch geteilt werden können. Am besten nach der Blüte, weil sie sich dann am neuen Standort gut einwurzeln .

Das raublättrige einjährige Vergissmeinnicht (Myosotis) beginnt jetzt mit seiner langen Blütezeit, in der es ausgiebig für Nachwuchs sorgt, und zwar im ganzen Garten. Im Herbst wird der Nachwuchs dort gepflanzt, wo er im Frühling munter vor sich hin blühen soll, als Wegbegleitung, an Heckenrändern oder auch auf eine bunte Rasenfläche.

Der Dritte im Bunde ist das Waldvergissmeinnicht (Omphalodes verna); es hat die größten Sterne und dazu in einem grandiosen Azurblau. Von Gedenkemein, wie es auch genannt wird, kann man kaum genug, schon gar nicht zu viel haben. Wenn doch, dann finden sich immer Gartenfreunde, die Gedenkemein gern einen Platz in ihrem Refugium einräumen.

Wer Waldvergissmeinnicht mit Waldmeister (Galium odoratum) kombiniert, bei dem gesellt sich jetzt zu dem Himmelblau das leuchtende Weiß der grazilen Blüten über den Blattquirlen des Meisters aus dem Wald. Galium odoratum ist außerdem nicht nur schön, sondern es duftet bekanntermaßen auch wunderbar. Aber erst wenn es welkt. Wer viel von dieser Spezies hat, kann daraus, wenn sie in voller Blüte steht, einen Strauß binden oder einen Kranz winden und so wochenlang den süßen Duft genießen: Immer wenn die Luftfeuchtigkeit ansteigt, beginnt das Gebinde wieder zu duften. So wirkt es als natürliches Hygrometer und wir können - bei entsprechender Aufmerksamkeit - herannahenden Regen quasi riechen.

Mir war es schon aufgefallen, dass das getrocknete Kraut mal gar nicht duftete und dann wieder das Zimmer vom Waldmeisteraroma erfüllt war. Vom Zusammenhang mit der Luftfeuchtigkeit habe ich erst jüngst gelesen und werde jetzt natürlich darauf achten. Ein kleines Beispiel, dass Pflanzen uns immer wieder überraschen können.

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