28.04.2012
10. nd-Lesergeschichten-Wettbewerb

Und die Moral von der Geschicht ...

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Während des gemeinsamen Urlaubs mit meinen Kindern und der jüngsten Enkeltochter auf der schönen dänischen Insel Bornholm hatte ich auf der Fahrt nach Gudjem einen Rastplatz im Walde gesehen, den ich mir als Ausgangspunkt für eine Nordic Walking Tour gemerkt hatte.

Einige Tage später zog ich frohen Mutes, und gut mit Kartenmaterial ausgestattet, mit meinen Stöcken in den dänischen Wald. Leider erwiesen sich die eingezeichneten Wege als asphaltierte Rad- oder Forstwege, also für Nordic Walking weniger geeignet. So war ich dem Schicksal dankbar, als ein Schild mit Pfeil und der Aufschrift »Ölea-Sti« auf einen in den Wald führenden Pfad verwies. Kühn übersetzte ich Sti mit Stein und vermutete, da Steine auf Bornholm nun wirklich nicht selten sind, ein besonders sehenswertes Exemplar, eventuell mit steinzeitlichen Zeichnungen, am Ende des Weges zu finden.

Der Weg führte an einem weitgehend ausgetrockneten Bachlauf entlang und schlängelte sich durch sumpfige Niederungen, dunklen Fichtenwald, führte über wacklige Stege - und nahm vor allem kein Ende. Außerdem erwiesen sich meine geliebten Stöcke für diesen Pfad eher als hinderlich. Weit und breit kein gewaltiger Stein, nicht mal ein übernormaler. Dafür immer wieder Schilder mit einem Pfeil und manchmal mit der Aufschrift »Sti«.

Dann stand ich vor einem Schild und der Pfeil zeigte in die Richtung, aus der ich gekommen war. Das fand ich sehr deprimierend und machte erst mal eine Rast. Ich überlegte, wo ich die Sehenswürdigkeit übersehen hatte, fand keine Lösung und machte mich auf den Rückweg. Alle größeren Steine untersuchte ich nach prähistorischen Spuren - nichts!

Als ich mich nach etwa zwei Stunden wieder dem Parkplatz näherte, dämmerte es mir, dass »Sti« vielleicht gar nicht Stein heißt, sondern Quelle und ich mich im Quellgebiet des zur Zeit nicht wasserführenden Baches befunden hatte.

Wie sich bei späteren Wanderungen herausstellte, stimmte auch diese Hypothese nicht. »Sti« heißt einfach Wanderweg. So gibt es auch einen Kystensti, der, man merkt es sofort, immer an der Küste lang geht. In meinem Fall ist Ölea dann wohl der Name des Baches.

Und die Moral von der Geschicht: Ein Minimum an Vokabeln der Landessprache sollte man schon kennen, wenn man sich alleine im dänischen Wald herumtreibt.

Dr. Dietrich Klaus
12487 Berlin