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Von Nicolas Šustr
28.04.2012

Silvio-Meier-Straße kommt

Bis November soll die Gabelsbergerstraße in Friedrichshain umbenannt sein

Ergebnis ist eindeutig. Mit einem Riesenvorsprung haben sich die Teilnehmer der Bürgerversammlung, die am Donnerstag Vorschläge zu einer öffentlichen Würdigung des im November 1992 von Neonazis ermordeten Hausbesetzers und DDR-Oppositionellen Silvio Meier bewerten sollten, für die Umbenennung der Friedrichshainer Gabelsbergerstraße ausgesprochen.

144 Stimmen – jeder der rund 90 Anwohner und Interessierten hatte drei Stimmen – konnte der auch von der »Initiative für ein aktives Gedenken« favorisierte Vorschlag auf sich vereinen. Mit 31 Stimmen weit abgeschlagen kam auf Platz 2 die Idee der Auslobung eines jährlich zu verleihenden Silvio-Meier-Preises gegen menschenfeindliche Einstellungen. Auf Platz 3 kam mit 29 Stimmen der erst auf der Versammlung eingebrachte Vorschlag, den U-Bahnhof Samariterstraße komplett nach Silvio Meier zu benennen. Davor war nur ein Namenszusatz angedacht.

Seit Jahren besteht der Wunsch, neben der alljährlichen Demonstration an Meiers Todestag und der auf anarchistische Weise im Aufgang des U-Bahnhofs Samariterstraße angebrachten und inzwischen von der BVG akzeptierten Gedenktafel auch eine Würdigung von offizieller Seite zu erhalten. Schwung in die Debatte brachte vor zwei Jahren die Gründung der »Initiative für ein aktives Gedenken«.

Nach erfolglosen Versuchen in der letzten Legislaturperiode erhielt im Februar dieses Jahres ein gemeinsamer Antrag der LINKEN und der Grünen, dem sich SPD und Piraten anschlossen, die erforderliche Mehrheit in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Der Antrag sah die Abhaltung der am Donnerstag stattgefundenen Bürgerversammlung vor, deren Votum für die BVV bindend sein soll. »Wir wollen ein Zeichen setzen gegen Rechts«, sagte in der Begrüßung der Vorsitzende des Kulturausschusses in der BVV, Lothar Jösting-Schüßler (LINKE). »Aktives Gedenken heißt nicht nur, Straßen zu benennen, sondern sich ständig gegen Rechts zu engagieren«, sagte er weiter.

Im Anschluss sprachen Weggefährten auf dem Treffen im Jugend[widerstands]museum, der ehemaligen Galiläakirche, in der Rigaer Straße. »Als Punks in der DDR wurden wir sehr oft angegriffen«, erinnerte sich Holger Werner. »Wir wollten frei sein und Gerechtigkeit. Zivilcourage zeigen, sagen: Nein, so nicht. Das war Silvio.« Ein ehemaliger Freund und Mitbewohner Meiers sprach, mit den Tränen kämpfend, von seiner »großen Zerrissenheit« bei dem Thema: »Er würde uns den Vogel zeigen, wenn er wüsste, dass nach ihm eine Straße benannt wird.«

Angesichts der nach wie vor hohen Zahlen von Neonaziübergriffen im Bezirk sei die Namensgebung ein wichtiges Zeichen, sagte Sebastian Wehrhahn von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus.

Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) sagte eine schnelle Umsetzung des Bürgervotums zu, so dass zum 20. Todestag am 21. November der neue Name auf den Schildern stehe.

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