28.04.2012

Foulspiele

Kommentar von Olaf Standke

Nun also auch noch Bomben in Dnepropetrowsk. Zwar gehört die Geburtsstadt von Julia Timoschenko nicht zu den Austragungsorten der Fußball-Europameisterschaft, doch wachsen damit die Befürchtungen sechs Wochen vor dem Großereignis weiter. So viel hatte man sich in Kiew versprochen von dieser EM. Als Land auf dem Weg in die Europäische Union wollte sich die Ukraine präsentieren und muss sich jetzt fragen lassen, ob der Ball denn überhaupt rollen dürfe, wenn auf dem Feld der Bürgerrechte massiv gefoult wird und die Sicherheit nicht gewährleistet sein sollte.

Die inhaftierte und gesundheitlich angeschlagene Ex-Regierungschefin ist dabei zur zentralen Figur eines politischen Machtspiels geworden, das das Ausland stärker beschäftigt als die Mehrheit der Ukrainer, so Beobachter in Kiew. Es gibt keinen Grund, den behandelnden Berliner Ärzten nicht zu glauben, wenn sie eine medizinische Versorgung Timoschenkos außerhalb der Ukraine als erfolgversprechendsten Therapieansatz sehen. Vielen ihrer Landsleute aber scheint das egal zu sein, in deren Augen ist sie nicht weniger kriminell als die derzeitige Regierung und mitverantwortlich für Korruption und Bürgerrechtsverletzungen in einem Land, in dem auch Linke und Antifaschisten gefährlich leben und immer wieder Ziele gewaltsamer Angriffe werden. So wie der gerade einmal 17-jährige Aktivist Mikhail Norochi, der vor einigen Monaten in Dnepropetrowsk zu Tode geprügelt und gestürzt wurde.

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