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30.04.2012

Revolutionärer 1. Mai in Mitte

Traditionelle linksradikale Kreuzberger Demo verlässt den Kiez

In diesem Jahr soll die Revolutionäre 1.Mai-Demonstration von Kreuzberg bis Mitte führen. Mit JONAS SCHIESSER als einem der Organisatoren sprach SARAH LIEBIGT. Schiesser ist Sprecher der Antifaschistischen Revolutionären Aktion Berlin (ARAB).
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nd: Die Revolutionäre 1. Mai-Demonstration soll raus aus dem Kiez bis Mitte führen. Vorab gab es deswegen Querelen mit dem Ordnungsamt. Klappt die Route nun?
SCHIESSER: Die Demonstration wird nach Mitte zum Bebelplatz führen. Uns ist es wichtig, den Widerstand ins politische Zentrum der BRD zu tragen. Direkt am Axel-Springer Hochhaus wird die Demo jedoch nicht vorbeigehen.

Wieso das?
Die Polizei gibt Sicherheitsbedenken an. Wir schätzen jedoch ein, dass die Festveranstaltung am 2. Mai, bei der führende Köpfe aus Politik, Presse und Wirtschaft kungeln, nicht zu sehr in das Licht der kritischen Öffentlichkeit gerückt werden soll.

Worum dreht sich die Demo in diesem Jahr?
Die revolutionäre 1. Mai Demo stellt die grundsätzliche Frage nach Alternativen zum Kapitalismus und seinen Folgen wie etwa Armut und Krieg. In diesem Jahr steht die Kritik an der Krisenpolitik der BRD im Vordergrund. Die BRD will ihre Politik der Lohnkürzungen und des Abbaus von sozialen Errungenschaften in der gesamten EU durchsetzen. Die verheerenden Folgen, die Verarmung ganzer Bevölkerungen in der europäischen Peripherie sind dabei einkalkuliert.

Außerdem wird auch der seit November bekannte NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) eine Rolle spielen. Als Reaktion auf diese Mordserie vergießen die Herrschenden Krokodilstränen um das Ansehen des Wirtschaftsstandortes BRD und beraten, die aus der Geschichte erfolgte Trennung zwischen Polizei und Geheimdiensten aufzulösen. Dabei ist der NSU nur mit tatkräftiger Unterstützung dieser »Verfassungsschützer« entstanden.

Welche Rolle spielt das 25-jährige Jubiläum ?
Die nun 25-jährige Geschichte hat bereits eine wichtige Rolle in der Vorbereitung und Mobilisierung der Demo gespielt. Der Rückblick auf 25 Jahre widerständische Praxis war beispielsweise Thema auf Veranstaltungen. Zeitzeugen waren zu Gesprächsrunden geladen, es gab Diskussionen zu Entwicklung und Aktualität der Demo bis heute. Auf der Auftaktkundgebung wird dieses Vierteljahrhundert linksradikale Praxis ebenfalls Thema sein. Mit »Neues Glas aus alten Scherben« tritt zudem eine Band auf, die in gewissem Sinne das musikalische und kulturelle Erbe von »Ton Steine Scherben« neu zu interpretieren versucht - und damit einen Bogen schlägt von den 1970er und 1980er Jahren bis heute.

In Westberlin war das die Zeit der Hausbesetzungen und Straßenschlachten. Ausschreitungen nach der Revolutionären 1. Mai-Demo gelten als unvermeidlich. Vor ein paar Jahren zog die Demo bereits vor das Springer-Haus, Steine flogen. Wie wollt ihr verhindern, dass die Demo nicht nur ihre Botschaft, sondern auch den Krawall aus dem Kiez woanders hin trägt?
Die Route ist in diesem Jahr eine extrem politische. Wir wollen unsere Kritik an autoritärer Krisenlösungspolitik und Ablehnung von Krieg dahin tragen, wo ihre Verursacher sitzen. Natürlich planen wir eine geordnete und kraftvolle Demo, akzeptieren aber unterschiedliche Formen des Protestes. Beispielsweise würden wir uns freuen, wenn auch die Occupy-Bewegung an der Demonstration teilnimmt.

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