02.05.2012

Hände weg vom Wedding

Antikapitalistische Walpurgisnacht in Berlin

Links, links, links, links! Die Trommeln werden gerührt. Links, links, links, links! Der rote Wedding marschiert! Der Anfang des Arbeiterlied-Klassikers gemischt mit elektronischer Musik: Diesen Soundtrack gaben die Organisatoren der traditionellen Demonstration am Vorabend des 1. Mai. In diesem Jahr fand die Antikapitalistische Walpurgisnacht im Wedding statt. Das Motto: Nimm was Dir zusteht!

Dazu zählen auch bezahlbare Mieten, die es in Prenzlauer Berg, Kreuzberg, Friedrichshain und auch Neukölln gar nicht mehr oder immer weniger gibt. Die dortige Gentrifizierung vertreibt immer mehr einkommensschwache Menschen aus ihren Bezirken. Wedding ist der nächste Kandidat für diesen Prozess. Deshalb wurde der Protest in den ehemaligen Arbeiterbezirk verlegt, der noch am Anfang der Umstrukturierung steht. Rund 4000 Demonstranten zogen - ohne Trommeln - durch die Straßen.

Anders als von Hauptstadtzeitungen im Vorfeld verbreitet, konnten die Weddinger dann auch sehr wohl etwas mit der Demo anfangen, Menschen schlossen sich an und aus den Häusern an der Demoroute kamen immer wieder nette Grüße. Wohl auch deshalb war die Demonstration größer als erwartet. Auch die üblichen medialen Krawallfantasien erfüllten sich nicht. Die Polizei hielt sich größtenteils zurück. Als sie dann doch glaubte, eingreifen zu müssen, wurde die Demonstration vorzeitig beendet.

Begonnen hatte die Weddinger Walpurgisnacht bereits am Nachmittag mit einem Konzert. Auch Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) schaute dort kurz vorbei. Viel gesehen dürfte er nicht haben. Mit dem Haufen Polizisten um sich herum und den übrigen Einsatzkräften war die Polizei zu diesem Zeitpunkt noch weit in der Überzahl. Markus Drescher

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