02.05.2012

Über Bord geworfen?

Kommentar von René Heilig

Der Thüringer NPD-Chef Frank Schwerdt will nicht mehr für den Landesvorsitz kandidieren. Nanu? Lässt ihn der Verfassungsschutz nicht mehr? Ist Schwerdt womöglich eines der V-Mann-Abschaltopfer, das auf den Altar eines möglichen NPD-Verbots gelegt wird? Mal sehen, ob er aus gesundheitlichen oder sonstigen Gründen auch sein Amt als NPD-Vizebundeschef zur Verfügung stellt. Parteichef Holger Apfel hat den Thüringer ohnehin nie so recht gemocht.

Auch ohne alle Spekulation: Schwerdt ist ein wichtiges Bindeglied zwischen der Neonazi-Partei und »Freien Kameradschaften«. Gut möglich, dass er deshalb noch in diesem Jahr vor einem Gericht aussagen muss. Wenn die Verbrechen des Nationalsozialistischen Untergrundes endlich zur Anklage kommen! Die Vernehmung wird lang dauern. Denn über Jahre hinweg hatte Schwerdt enge Kontakte zu mutmaßlichen Mitgliedern und Helfern des NSU: Mal war der mutmaßliche Mörder Uwe Mundlos sein Fahrer, mal sieht man ihn mit Beate Zschäpe auf einer Nazi-Demo. Zudem gilt er als Mentor von Ralf Wohlleben. Der sitzt in U-Haft, weil er das Zwickauer Mörder-Trio mit einer Waffe versorgt haben soll. Auch Kontakte zum NSU-Helfer André Kapke sind nachweisbar. So einen Belasteten lässt jetzt jeder gern von Bord, nein über Bord gehen.

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