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Von Sabine Neubert
03.05.2012
Literatur

Langer Abschied

Charlotte Worgitzky: Im Roman »Karlas Freiheit« geht es um Leben und Tod

Das eigentliche Thema des neuen Romans von Charlotte Worgitzky ist nicht die Freiheit eines Menschen, sondern die Einsamkeit. Natürlich lebt jeder Mensch, ob Mann oder Frau, jung oder alt, in einem Beziehungsgeflecht. Freundschaft, Liebe, Verständnis, Selbstbestimmung, ja selbst Einsamkeit gehören zum Menschsein. Wie aber finden wir die Balance zwischen Nähe und Distanz zum anderen?

Unausgesprochen kommt das Wort »Verantwortung« ins Spiel. Der biblische Satz: »Soll ich meines Bruders Hüter sein?« fällt mir ein, auch wenn es hier um zwei ältere Frauen geht. Aber Charlotte Worgitzky unterlässt (bewusst oder unbewusst) religiöse oder moralische Wertungen, gerade das aber macht die Thematik so aktuell und so schwierig. Es geht um selbstbestimmte Frauen in der modernen Welt. Und während ich das schreibe, stellt sich mir schon die Frage, die letztlich auch das Buch nicht beantwortet, ob Selbstbestimmung überhaupt möglich und lebbar ist.

Wieder hat die Autorin, die vor Jahren mit ihrem Buch »Meine ungeborenen Kinder« (1982) Aufsehen erregte und damals quasi in ein »moralisches Wespennest« stach, sich ein großes Thema gewählt, nämlich das des Freitodes, verbunden mit dem der Einsamkeit im Alter. »Selbstmord«, so heißt es nun an einer Stelle des Romans, »ist der letzte Akt der Freiheit, der einem Menschen möglich ist«. Ein solcher Satz ist als persönliches Bekenntnis zu akzeptieren, aber auch zu hinterfragen. Das geschieht im Buch, indem andere Ansichten, Unsicherheiten entgegengestellt werden.

Kathrin, die Erzählerin, wird mit dem Freitod ihrer besten Freundin Karla konfrontiert. Beide Frauen sind seit ihrer Jugend eng vertraut. Jedenfalls glaubte das Kathrin bisher. Während sie selbst wie auch Karlas Schwester Hilde in einer herkömmlichen, mitunter fragwürdigen Ehe und Familie leben, war Karla lebenslang eine selbstbestimmte Single-Frau von imponierender »zur Schau getragenen Überlegenheit«. Sie wollte weder Ehemann noch Kinder, ging ganz im Beruf auf und machte nach der Wende noch einen Kurs in Werbepsychologie. In letzter Zeit war sie im Rentenalter.

Karlas Tod kommt überraschend für Kathrin. Sie soll nun deren Wohnung ausräumen und den Nachlass ordnen. Dabei findet sie im Biedermeiersekretär Tagebücher von Karla, die sie anders zeigen, als sie sie kannte. Im Wechsel zwischen Gegenwartserzählung und Tagebucheintragungen entsteht rückschauend eine Art Dialog der beiden Frauen. Darin versucht die Autorin, Spielarten menschlicher Beziehungen zwischen Nähe und Fremdheit auszuloten. Das gelingt nur teilweise. Zwischen banaler bürgerlicher Alltagswelt (Biedermeiersekretär, Mozartkonzerte) und der entsprechenden Sprache (»Sie haben sich doch schon sehr verändert, die Männer«) verliert sich bisweilen die Aktualität dieses drängenden Themas.

Charlotte Worgitzky: Karlas Freiheit. Roman. Prospero Verlag, 240 S., brosch., 14 €.

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