Von Klaus Joachim Herrmann
04.05.2012

Vertrauen gegen Täuschung

CDU-Fraktionschef Florian Graf bleibt mit 88,8 Prozent Zustimmung im Amt

Seine »Zukunft als Vorsitzender der CDU-Fraktion« legte Florian Graf gestern in die Hände seiner Kolleginnen und Kollegen. Dort war sie bestens aufgehoben. Mit 30 gegen drei Stimmen bei einer Enthaltung sprach dem mit einer Plagiatsaffäre unter Druck geratenen Chef die Fraktion das Vertrauen aus. Mit diesen 88,2 Prozent Zustimmung büßte der 38-Jährige gegenüber seinem ersten Wahlergebnis vom 1. Dezember 2011 nicht viel ein. Damals war er mit 95 Prozent gewählt worden.

Ein solches Resultat war erwartet worden, dürfte aber trotzdem nicht selbstverständlich sein. Denn Florian Graf hatte »Täuschung bei der Abfassung« seiner Doktorarbeit eingeräumt. Der Promotionsausschuss der Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam entzog ihm auf eigenen Antrag am Donnerstagabend den Doktortitel. Graf erklärte: »Ich werde gegen diese Entscheidung kein Rechtsmittel einlegen. Sie wird damit bestandskräftig.«

Der Promotionsausschuss bestätigte, dass »bei der Erstellung der Dissertation von Herrn Florian Graf der Tatbestand der Täuschung erfüllt wurde«. Er erinnerte daran, dass die Dekanin der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, Prof. Dr. Theresa Wobbe, nach dem Aufkommen von Zweifeln an der wissenschaftlichen Qualität der Dissertation deren Prüfung veranlasst habe. »Der Plagiatsverdacht, zu dem Herr Graf auch Stellung nahm, bestätigte sich im Verlauf der weiteren Prüfung der Dissertationsschrift.« Die Dekanin empfahl der Fakultät anschließend zusätzlich, das »Verfahren der Promotion Graf einer eingehenden Prüfung zu unterziehen, um daraus Schlüsse für die weitere Arbeit abzuleiten«.

Die Fraktion allerdings schloss ihre Reihen, bekundete »breite Solidarität«. Funktionäre sprachen sich für den nunmehr von der Universität Potsdam Gemaßregelten aus. Landesvorsitzender Frank Henkel differenzierte fein. Graf habe sich reuig gezeigt und in seiner politischen Arbeit nichts vorzuwerfen. Die Angelegenheit sei für die Fraktion erledigt, hieß es. Der Koalitionspartner hatte sich ohnehin rausgehalten. Schon zum Auftakt der Affäre wurde SPD-Fraktionschef Raed Saleh zitiert mit seinem Bekenntnis von »Respekt für diesen ausreichenden Schritt« - gemeint war hier schon das Eingeständnis von Graf.

Die LINKE sieht das anders. Deren wissenschaftspolitischer Sprecher Wolfgang Albers sprach von »Doktorspielereien« und kritisierte die »Unverfrorenheit, mit der die intellektuellen Schwarzfahrer mittlerweile über solche Betrugsversuche hinweg gehen: Erwischt - na und? Geht‘s halt zurück auf Los.«