Lena Tietgen
04.05.2012

Kita-Betreuung oder Familie?

Bildungsrauschen

Die Studie »Nationale Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit« (Nubbek) hat frühkindliche Einrichtungen für Zwei- bis Vierjährige, Kinder und Familien interviewt. Das Urteil in Kürze: Bei den Zweijährigen ist es bis auf Kommunikations- und Alltagsfertigkeiten ohne Bedeutung, ob sie zu Hause oder in einer Einrichtung betreut werden. Bei Vierjährigen spielt die »Prozessqualität« (»einfühlsame Betreuung und vielfältige Bildungsangebote«) einer Einrichtung für die Entwicklung eine entscheidende Rolle. Trotzdem sei eine Kita für Kinder aus Elternhäusern mit schlechten Bildungschancen die bessere Alternative. Auf www.zeit.de diskutierte man den Sinn dieser Studie (bit.ly/Kg8Oq9).

Paula48 fragt: »Wer will denn wissen, wie sich das Kind entwickelt hätte, wäre es in der Krippe oder zu Hause betreut worden? Es gibt Kinder, die haben Ängste und die brauchen Zeit und viel Zuwendung, um sich zu einem selbstbewussten Erwachsenen entwickeln zu können. Und es gibt Kinder mit einem anderen Naturell. Die gingen zu Hause ein wie die Primeln (...). Wenn ich schon immer höre, Kinder sind am liebsten unter Kindern. Woher wollen wir das denn wissen. Es mögen auch nicht alle Erwachsenen die gleichen Veranstaltungen oder es leben die einen lieber in Großfamilien und die anderen lieber allein. Nur Kinder sollen immer die gleichen Bedürfnisse haben. Auch ein Kind ist ein Individuum.« dielektrikum postet: »Sinn der Statistik ist es, Aussagen über große Menschenmengen zu machen. Zwar unterliegt jedes Kind sehr, sehr vielen Einflussfaktoren. Dieses ›komplexe System‹ ist also einer direkten Beschreibung nicht zugänglich. Dennoch kann ich in der Masse Aussagen treffen, die im Mittel wahr sind. Und darauf muss das Bildungssystem in der Breite zugeschnitten sein. Allerdings dürfen dabei die Enden der Glockenkurve nicht vergessen werden.

Für simt sollte die Politik sehen: »1. Es sind dringend bessere und mehr Betreuungsplätze zur Verfügung zu stellen. 2. Eltern sollten das Recht haben, ihre Kinder zu Hause zu betreuen, da sie sich nicht auf einen guten! Krippenplatz verlassen können. Hierfür benötigen sie (auch Alleinerziehende, Arbeitslose) Geld! Mein Vorschlag: Abschaffung des Ehegattensplittings und endlich eine ausreichende Finanzierung zur Erziehung von Kindern! Und falls es tatsächlich Menschen gibt, die zu wenig Bildung haben, um ihren eigenen Kindern gute Eltern zu sein, dann sollte man verdammt noch einmal dafür sorgen, dass in diesem reichen Land so etwas nicht vorkommt. Möglichkeiten hierfür gäbe es viele. Statt dessen sortieren wir in unserem Bildungssystem systematisch Menschen aus und wundern uns dann auf deren Kosten, dass sie nicht gesellschaftlich funktionieren.«


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