Von Aert van Riel
04.05.2012

(Dr.) Annette Schavan

Plagiatsvorwürfe gegen die Bildungsministerin werden überprüft

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) bestreitet die Vorwürfe, bei ihrer Doktorarbeit plagiiert zu haben. Die Korrektheit der Recherche ihres Kritikers stellt sie indes nicht in Frage.

In den letzten Jahren wurde Annette Schavan mit internationalen Auszeichnungen für ihre angeblichen akademischen Verdienste geradezu überhäuft. Sie erhielt die Ehrendoktorwürde der Universitäten Kairo, Shanghai, Jerusalem und der japanischen Meiji-Universität.

Doch nun wird ihre wissenschaftliche Kompetenz bezweifelt. Ein anonymer Blogger hat auf der Webseite schavanplag.wordpress.com mutmaßliche Plagiate auf 56 von 325 Seiten in Schavans Doktorarbeit veröffentlicht. Ihre Dissertation »Person und Gewissen. Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung« wurde 1980 an der Universität Düsseldorf im Fach Erziehungswissenschaft mit der Note »magna cum laude« bewertet.

Er habe »schwerwiegende« und »nicht ganz so gravierende« Plagiate gefunden, erklärt der Blogger im Internet. Bei einigen Stellen könne man auch der Ansicht sein, »dass sie nur unsauber oder zu geringfügig« sind. »Dass die Verfasserin plagiiert, lässt sich aber schlecht bestreiten.« »Schwerwiegende« Vorwürfe gegen die CDU-Frau finden sich auf zehn Seiten.

Fraglich ist nun, wie die Düsseldorfer Promotionskommission, die die Arbeit ab der kommenden Woche überprüfen wird, die Passagen bewertet, die Schavan offensichtlich sinngemäß von anderen Autoren übernommen hat, ohne die Quellen ausreichend zu nennen. Wenn wenige Fußnoten fehlen, gilt dies oft als unsauberes Arbeiten, aber nicht unbedingt als Plagiat. Sollte die Uni aber zu dem Schluss kommen, dass Schavan abgeschrieben hat und somit eine Täuschung vorliegt, kann dies den Entzug des Doktortitels zur Folge haben.

Die Ministerin hat die Vorwürfe zwar bestritten, aber nicht die Korrektheit der Recherche des Bloggers in Frage gestellt. Man könne nie ausschließen, dass ähnliche Gedanken oder Formulierungen auch in anderen Werken stünden, sagte sie gegenüber der »Süddeutschen Zeitung«.

Unterdessen bemühten sich einige Medien, den Fall herunterzuspielen. Ausgerechnet die »Bild«-Zeitung beklagte, dass Schavan nun am Pranger stehe. In der »Financial Times Deutschland« war zu lesen: »VroniPlag entlastet Schavan«. Die Enthüllungsplattform hatte zunächst in der Angelegenheit recherchiert, dann jedoch entschieden, die Vorwürfe nicht zu publizieren. Entgegen der Behauptung, dies sei eine »Entlastung« für die Ministerin, sagte VroniPlag-Gründer Martin Heidingsfelder der »Osnabrücker Zeitung«: »Einige Stellen in der Arbeit sind aus meiner Sicht ganz klar Plagiate, aber insgesamt handelt es sich um keinen zweiten Fall Guttenberg.«

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