05.05.2012

»...da hab ich vor Freude geweint«

ICH HAB'S EINFACH MAL PROBIERT: Nicht-Alpinist Hermann Rafalzik kletterte mit 60 Jahren auf den Kilimandscharo

Der Kilimandscharo im Nordosten Tansanias ist mit seinem Gipfel Kibo (5895 Meter) das höchste Bergmassiv Afrikas. Hermann Rafalzik, Elektromechaniker aus Hamburg, hat im Alter von 60 Jahren beschlossen, da einfach mal raufzuklettern.
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links Hermann Rafalzik

nd: Respekt - mit 60 auf dem berühmtesten Berg zwischen Kairo und Kapstadt! Wie kam es dazu?
Rafalzik: Im Fernsehen habe ich einen Bericht über einen Mann gesehen, der seinen 50. Geburtstag auf dem Kilimandscharo feiern wollte. Und da habe ich mich plötzlich an einen zwischenzeitlich vergessenen Traum aus Jugendtagen erinnert. 50 war vorbei, also mit 60.

Wie haben Sie sich vorbereitet?
Körperlich bin ich fit, wiege 71 Kilogramm bei einer Größe von 1,72 Metern. Ich fahre Rennrad, gehe regelmäßig ins Sportstudio. Zusätzlich bin ich einige Monate vor der Tour jeweils am Wochenende zwölf Kilometer mit schwerem Rucksack durch den Wald gelaufen.

Wie lief der Aufstieg ab?
Insgesamt sind wir dafür sechs Tage unterwegs gewesen. Marschiert wird immer in einer Gruppe. In meinem Fall waren das neun Personen: noch ein weiterer Gipfelaspirant, zwei Jahre jünger als ich und zufälligerweise auch aus Hamburg, zwei Guides, die uns bis ganz oben begleiten würden, vier Träger und ein Koch.

Was kostet denn so ein Spaß?
Insgesamt hat die Aktion mit Hin- und Rückflug und allen Transfers rund 2400 Euro gekostet.

Haben Sie auch Zelte mitgeschleppt?
Nein, wir haben die so genannte Marangu-Route gewählt, da wird in Hütten übernachtet.

Brauchten Sie eine spezielle Bergausrüstung?
Wanderschuhe und Walkingstöcke reichen. Wichtig ist aber die richtige Kleidung, auf dem Gipfel herrschen zehn Grad Minus. Andererseits passiert man zu Beginn der Tour den Regenwald, die Luft ist heiß, 35 Grad plus, und Affen schwingen sich durchs Geäst. Das sind ziemliche Gegensätze.

Wie sind Sie mit der Höhe und dem zunehmenden Sauerstoffmangel klar gekommen?
Zunächst recht gut. Auf 3700 Metern liegt die Horombo-Hütte. Dort haben wir den Aufstieg unterbrochen für einen Tag, zwecks Akklimatisierung. Am Folgetag sind wir zur letzten Station vor dem Gipfel aufgebrochen, der Kibo-Hütte. Die liegt auf 4700 Metern, und erst dort habe ich gemerkt, dass die Luft dünner geworden ist.

Kopfschmerzen und Übelkeit?
Nein, von diesen Symptomen bin ich anfangs verschont geblieben. Andere kriegen schon ab 3000 Meter erste Probleme.

Und die letzte Etappe?
Um Mitternacht ging es los. Mit Stirnlampen. Der Serpentinenpfad ist ziemlich steil und gefroren. Nach anderthalb Stunden haben wir auf 5151 Metern Höhe die Hans-Meyer-Höhle erreicht, benannt nach dem Erstbesteiger 1889, einem deutschen Afrikaforscher. Dort musste ich mich tatsächlich doch das erste Mal übergeben. Weitere fünfeinhalb Stunden hat es gedauert, bis wir schließlich oben am Kraterrand gewesen sind, dem Gilman's Point auf 5685 Metern Höhe. Der Sauerstoffgehalt pro Kubikmeter Luft ist nur noch halb so hoch wie auf Meereshöhe. Dann noch einmal gut 200 Höhenmeter. Ich hab mir gesagt: Wenn ich jetzt schon hier bin, dann lasst uns den Rest auch packen.

Wie haben Sie das durchgehalten?
Bloß nicht drüber nachdenken, wie weit es noch ist.

Aber als Sie endlich am Ziel waren, dem Uhuru Peak mit 5895 Metern ...
... da habe ich vor Freude geweint.

Und heute, welche Herausforderung bleibt Ihnen nach dem Kilimandscharo?
Noch mal der Kilimandscharo.

Gespräch: René Gralla