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Von Volker Stahl
07.05.2012

Immer schön flexibel bleiben

Die Bundeskanzlerin kam mit ihrer Forderung nach längerer Lebensarbeitszeit beim Seniorentag nicht gut an

Seniorenorganisationen wenden sich gegen Rationierung medizinischer Leistungen und fordern barrierefreie Wohnungen sowie Maßnahmen gegen Altersarmut. Länger arbeiten haben sie dabei allerdings nicht im Sinn.

Trimmy ist in die Jahre gekommen. Der leicht untersetzt wirkende Vorturner der bundesdeutschen Trimm-Dich-Bewegung der 1970er Jahre hat Falten bekommen, ein leichter Grauschimmer durchzieht sein Haar. »Wir haben ihn älter gemacht«, sagt Ute Blessing-Kapelke vom Deutschen Olympischen Sportbund an Stand B16 im Congress Center Hamburg. Sportlich aktiv ist Trimmy immer noch. Er huscht aber nicht mehr von Übung zu Übung durch den Wald - jetzt walkt er unter dem Motto »Reif für die Stöcke«. Mit seiner dosierten altersgerechten Aktivität setzt er eine zentrale Forderung des 10. Deutschen Seniorentags um, der sich entschieden gegen den »Jugendwahn« in unserer Gesellschaft wendet.

Die Veranstalter zählten 20 000 Besucher, die Rollatoren ausprobierten, sich über die Pflege, Rentenfragen, Wohnformen im Alter oder die Angebote verschiedener Hilfsorganisationen informierten. Die Abschlusserklärung der Bundesarbeitsgemeinschaft der 110 Senioren-Organisationen (BAGSO) begnügt sich nicht mit den üblichen Allgemeinplätzen (»Wir setzen uns für ein selbstbestimmtes, aktives und engagiertes Älterwerden in sozialer Sicherheit ein«), sondern stellt auch konkrete politische Forderungen. So wendet sich die BAGSO gegen »jede, auch verdeckte Form von Rationierung medizinischer Leistungen« und fordert die »Anpassung des Arbeitsplatzes an die Beschäftigten«. Einige Autobauer haben diese Forderung bereits umgesetzt, indem sie die Produktionsbänder langsamer laufen lassen. Einiges sei aber noch verbesserungsbedürftig, heißt es in der Erklärung. Eine vorrangige Aufgabe der Politik sei der altersgerechte Umbau sowie der barrierefreie Neubau von Häusern und Wohnungen - bei bezahlbaren Mieten. Neben der »gelebten Solidarität« zwischen Jung und Alt, Reich und Arm sowie zwischen Menschen unterschiedlichen Glaubens oder verschiedener Kulturen waren die »alarmierenden Einschnitte« bei den Renten ein großes Thema. »Korrekturen im Alterssicherungssystem und in der Arbeitsmarktpolitik sind notwendig«, sagte die ehemalige CDU-Bundesministerin, Altersforscherin und BAGSO-Vorsitzende Ursula Lehr (81). Nur so sei das Absinken des Rentenniveaus aufzuhalten und ein Anwachsen von Altersarmut zu vermeiden.

Wer heute in Rente geht, hat meist noch ein Viertel seines Lebens vor sich. Vor diesem Hintergrund forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass die Lebensarbeitszeit »ganz graduell auch länger werden muss«. Merkel betonte, anderenfalls könnten die Jüngeren nicht »im Umlageverfahren weiter für die Solidarität mit den Älteren sorgen«. Die Bundeskanzlerin ermahnte die Unternehmen, mehr ältere Menschen einzustellen und über 55-Jährigen eine Beschäftigungsperspektive zu geben: »Denn wenn das nicht passieren würde, wäre die Rente mit 67 natürlich nur eine Rentenkappung.«

Die Forderung der beiden Spitzenpolitiker nach längerer Lebensarbeitszeit kam nicht bei allen auf dem Seniorentag gut an. Sogar am Stand der Senioren-Union war das Glas mit den Kügelchen »Rente später« sichtbar weniger gut gefüllt als das Glas mit »Rente mit 65«. Auch Alfred Spieler von der »Volkssolidarität« kritisierte, dass Merkel »haarscharf« an sozialen Problemen vorbeigesprochen habe. Die Altersarmut sei ebenso kein Thema gewesen wie eine Reform der Pflege, so Spieler: »Außerdem hat sie nichts dazu gesagt, für die Ostsenioren endlich bei den Renten die soziale Einheit herzustellen.«

Trimmy dagegen schert sich weniger um die Politik als um seine Gesundheit. Ab 50 spürte er die ersten Einschränkungen, erzählt Ute Blessing-Karpelke, die ihm deshalb riet, mehr für sich zu tun, um nicht einzurosten. Und wenn Trimmy, komplett ergraut, zu den Hochbetagten zählt? »Dann sollte er unbedingt versuchen, seine Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten«, sagt die »fast Fünfzigjährige«. Blessing-Kapelke machte Mut: »Diese Gruppe verzeichnet am schnellsten Erfolgserlebnisse.« Durch Krafttraining zum Beispiel kämen viele Alte wieder allein aus der Badewanne.

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