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Von John Dyer, Boston
07.05.2012

Der doppelte Ire

Wie Apple systematisch weltweite Steuerschlupflöcher für sich nutzt

Der US-Technologieriese Apple verdient soviel Geld wie kaum ein anderer Konzern. Doch das liegt nicht nur an den iPhones und Tablets, sondern auch an legalen Steuertricks. Gewinne werden gezielt ins Ausland geleitet. In Europa werden vor allem Irland und Luxemburg genutzt, um Steuern zu sparen.

Apple hat seinen Hauptsitz standesgemäß im Silicon Valley, in der kalifornischen Ortschaft Cupertino. Wenn es jedoch ans Steuerzahlen geht, benutzt Apple eine andere Adresse - in Braeburn Capital, einem Vorort von Reno im US-Bundesstaat Nevada. Der Steuersatz in Kalifornien beträgt 8,84 Prozent, in Nevada hingegen liegt er bei null. Auf dieselbe Art verfährt Apple weltweit. Während der Elektronikpionier sein Hauptgeschäft in den USA, Frankreich, Deutschland und England betreibt, verdient Apple nach der Steuererklärung 70 Prozent seiner Einnahmen in Ländern wie Irland, den Niederlanden, Luxemburg und einigen Karibikinseln. Also dort, wo die Steuern niedrig sind.

»Diese Strategie der Steuervermeidung von Apple und anderen multinationalen Unternehmen betrifft nicht nur die USA«, meint Steuerrechtsprofessor Edward Kleinbard von der Universität South California. »Es geht auch um deutsche, französische und englische Steuern. Sie machen das überall.« Kleinbard skizzierte in der »New York Times« ausführlich das Modell von Apple. Das Interesse an der Steuerpolitik des iPhone-Erfinders nahm jetzt schlagartig zu, nachdem er vor einigen Tagen die Verdoppelung seines Quartalsgewinns bekannt gab und nebenbei erklärte, über 110 Milliarden Dollar an Festgeldreserven zu besitzen. Da Unternehmenssteuern in den USA gerade Wahlkampfthema sind, richtete sich der Fokus schnell auf Apple. Die Republikaner wollen die Unternehmenssteuern in den USA senken, die Demokraten dagegen Schlupflöcher schließen.

Von diesen Schlupflöchern hat Apple massiv profitiert. Das Unternehmen bietet Dateien zum Herunterladen an und vertreibt seine Produkte über das Internet. Wo letztlich die offizielle Firmenzentrale steht, ist da unerheblich - Standortnachteile gibt es nicht. Hätte Apple seine Gewinne im vergangenen Jahr in Kalifornien versteuert, wären zusätzlich 2,4 Milliarden Dollar fällig gewesen, schätzt Martin Sullivan, ehemaliger Mitarbeiter des US-Schatzamtes. 2010 zahlte Apple bei einem Gewinn von 34 Milliarden Dollar insgesamt 3,3 Milliarden Dollar Steuern. Das entspricht einem Prozentsatz von 9,8, obwohl in den USA der Satz für landesweit erhobene Steuern eigentlich zwischen 15 und 35 Prozent liegt. Apple selbst gibt an, im besagtem Zeitraum fünf Milliarden Dollar an Steuern gezahlt zu haben. Beobachter glauben, das Unternehmen habe dabei die persönlichen Abgaben der Mitarbeiter einfach mitgerechnet. Außerdem rechtfertigt sich Apple damit, mehrere tausend Arbeitsstellen in den USA geschaffen zu haben.

In Europa verfolgt das Unternehmen eine Strategie, die als »doppelter Ire mit einem holländischen Sandwich« bekannt ist. Sämtliche Einnahmen etwa aus Deutschland werden in Irland zu geringen Sätzen versteuert. Ein Teil wird aufgrund europäischer Regularien in die Niederlande transferiert. Von dort aus wandert das Geld weiter auf die britischen Virgin Islands, einem bekannten Steuerparadies in der Karibik.

Alle Gelder, die Apple mit seinem Online-Medienkaufhaus iTunes in Afrika, Europa und dem Mittleren Osten verdient, werden wiederum in Luxemburg versteuert. Die Steuerfahnder hätten zwar die Möglichkeit, diese Einnahmen den jeweiligen Ländern zuzuordnen, aber dafür müsste jeder einzelne Abruf von Daten über iTunes zurückverfolgt werden - ein unmögliches Unterfangen. »Herunterladbare Daten sind etwas anderes als Stahl oder Traktoren, da man sie nicht anfassen kann. Es spielt keine Rolle, ob man das Produkt von England oder Frankreich aus bezieht. Kauft man in Luxemburg ein, macht man ein Geschäft mit Luxemburg«, meinte der ehemalige Apple-Mitarbeiter Robert Hatta. »Wir haben uns dort wegen der Steuern niedergelassen.«

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