Von Wolfgang Hübner
07.05.2012

MOSEKUNDS MONTAG

INS FREIE

Herr Mosekund hatte eine Reihe seiner tiefgründigsten Gedanken gesammelt und in einem Abreißkalender zusammengestellt, den er an Freunde und Gesprächspartner verschenkte. Nach längerer Zeit besuchte er einen Freund, der gerade dabei war, die bereits abgetrennten Kalenderblätter zu sortieren, um sie zum Zwecke des gelegentlichen Nachlesens in einen Ordner zu heften. Herr Mosekund riss, ungeachtet des draußen aufbrausenden Unwetters, ein Fenster auf; ein heftiger Windstoß fegte durch das Zimmer und trug die Kalenderblätter davon. »Um Gottes Willen, was tun Sie da?« rief der Freund entsetzt. »Sie wissen doch«, antwortete Herr Mosekund: »Die Gedanken sind frei.«