07.05.2012
Person

Schiffsbraut

Monika Griefahn, früher Regenbogenkriegerin, jetzt Konzernlobbyistin

Der Mann, der in seiner Jugend bei Meinungsverschiedenheiten mit der Polizei nach eigener Aussage »auch kräftig hingelangt« hat und später, als er domestiziert war und die Segnungen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung in Form eines ordentlichen Gehaltsschecks zu schätzen gelernt hatte, als »Turnschuhminister« belächelt wurde, ist heute Lobbyist für den Strom- und Atomkonzern RWE sowie »Berater« für BMW und Siemens. Joschka Fischer kann einen Bilderbuchlebenslauf vorweisen: vom Steinewerfer zum nützlichen Mitglied der Gesellschaft.

Die neue »Direktorin für die Bereiche Umwelt und gesellschaftliche Verantwortung« beim führenden deutschen Schifffahrtskonzern Aida Cruises, Monika Griefahn, scheint bei ihrem Kollegen genau hingeschaut und einiges gelernt zu haben: Zuerst gründete sie die deutsche Sektion der Organisation Greenpeace mit und wurde so zur »Identifikationsfigur der frühen Umweltbewegung« (dpa). Vom Deck des Umweltschutzschiffes »Rainbow Warrior« wechselte sie auf einen weichen Ledersessel und betätigte sich in den 90ern als SPD-Umweltministerin in Niedersachsen - als Identifikationsfigur der späten Umweltbewegung gewissermaßen. Nun ist sie bei einem Kreuzfahrtkonzern angestellt, der zu den Marktführern einer Branche gehört, die zu den größten Umweltverschmutzern überhaupt zählt. Im vergangenen Dezember wurde der Firma, die mit Heile-Welt-Propaganda wirbt, vom Naturschutzbund NABU bescheinigt, eine der größten Dreckschleudern zu sein.

»Ich freue mich, dass ich bei diesem Unternehmen, das schon jetzt zeigt, dass es Verantwortung für unsere Zukunft übernehmen will, mitgestalten kann«, sagt Griefahn. Verantwortung, Zukunft, Mitgestalten. Reden kann sie auch schon wie Fischer. Es wäre an der Zeit, die berühmt gewordene Weisheit der Cree-Indianer, mit der Greenpeace warb, ein wenig zu modernisieren: Erst wenn auf dem Gehaltsscheck die letzten Zahlen vor dem Komma korrigiert sind, werdet ihr feststellen, dass man Bäume besser rodet, wenn man sie schon nicht essen kann.

Thomas Blum