Von Martin Ling
08.05.2012

Mit Wachstum auf dem Holzweg

Club of Rome fordert schnelles Handeln für Zukunftsfähigkeit des Planeten

Vor 40 Jahren traf der Club of Rome mit dem Bericht »Die Grenzen des Wachstums« auf Skepsis bei wachstumsgläubiger Politik und Gesellschaft. Der Folgereport »2052« zeichnet noch dramatischere Schäden für Menschheit und Erde auf. Politik und Gesellschaft sind inzwischen zwar sensibilisiert, doch der Kurswandel steht aus.

Der Grundwiderspruch ist so simpel wie allgemein bekannt: Kapitalismus bedarf zur Renditesicherung eines fortwährenden exponentiellen Wachstums - und das in einer Welt endlicher Ressourcen. Trotzdem gilt auf dem ganzen Globus weiter die realpolitische Marschroute: Ohne Wachstum ist alles nichts.

Schon 1972 war der Norweger Jorgen Randers neben dem US-amerikanischen Ehepaar Dennis und Donella H. Meadows Mitautor des Berichts »Die Grenzen des Wachstums« des Club of Rome, eines Zusammenschlusses von Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft. Ein Jahr später wurden mit der Ölkrise die Grenzen des fossilen Akkumulationsmodells erstmals schmerzhaft spürbar.

Jahrzehnte später, als 66-Jähriger, warnte Randers bei der Vorstellung des Folgeberichts »2052« in Rotterdam erneut vor dem Überschreiten vieler Grenzen der Natur. »Die Menschheit hat die Ressourcen der Erde ausgereizt und wir werden in einigen Fällen schon vor 2052 einen örtlichen Kollaps erleben«, sagte Randers. »Wir stoßen jedes Jahr zweimal so viel Treibhausgas aus, wie Wälder und Meere absorbieren können.« »Der sich selbst verstärkende Klimawandel wird die Sorge Nummer 1 sein«, ist Randers überzeugt.

In dem Bericht finden sich Beiträge führender Wissenschaftler, Ökonomen und Zukunftsforscher verschiedener Fachbereiche.

Der Generalsekretär des Club of Rome, Ian Johnson, sagte: »›Business as usual‹ ist keine Option, wenn wir wollen, dass unsere Enkelkinder auf einem zukunftsfähigen und gerechten Planeten leben.« Schnelles Handeln sei nötig.

Die Bevölkerung wird dem norwegischen Wirtschaftsexperten Randers zufolge nicht so stark wachsen wie gedacht. Sie wird bis Anfang der 2040er Jahre 8,1 Milliarden Menschen erreichen und dann abnehmen. Grund: Die Menschen lebten zunehmend in Städten, und Frauen erhielten mehr Bildung.

Das österreichische Club-of-Rome-Mitglied Karl Wagner sagt in dem Bericht eine Revolution in den 2020er Jahren voraus - vergleichbar mit der von 1848 gegen das feudale Herrschaftssystem. Die Kultur des Konsums werde auf nachhaltigeres Wirtschaften umschwenken. Randers glaubt dagegen nicht mehr an rechtzeitige Besserung. Dass er die Hoffnung indes nicht ganz aufgegeben hat, zeigt sein Schlussappell: »Bitte helft, meine Vorhersage falsch werden zu lassen. Zusammen können wir eine viel bessere Welt schaffen.«

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