09.05.2012
Meine Sicht

Viele Fragen, wenig Antworten

Martin Kröger zu den gefundenen Rohrbomben

Mit Bewertungen zu den am 1. Mai gefundenen Rohrbomben sollte man sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt der Ermittlungen der Polizei normalerweise tunlichst zurückhalten. Denn bisher ist völlig unklar, was die Polizisten da am 1. Mai bei der großen Demonstration in Kreuzberg auflasen. Doch selbst wenn sich herausstellen sollte, dass die gefundenen Alurohre mit dem Sprengstoffgemisch nicht funktioniert hätten, bleibt dennoch ein elendiges Gefühl.

Denn schließlich bleibt der Fakt, dass es offenbar einen oder mehrere Menschen gibt, die entweder am Rand der Demonstration solche Rohrbomben deponiert oder gar auf eine solche Manifestation mitgenommen haben. Beides ist gleichermaßen furchtbar, denn das theoretisch mittels des gefundenen Sprengstoffgemisches schwere Explosionen herbeigeführt können, steht außer Frage.

Möglichst in dieser Woche will die Polizei ihre Tests abschließen. Da bleibt zu hoffen, dass die Analyse der Rohrbomben Erkenntnisse auf die Hintergründe und den oder die Täter liefert. Antworten muss die Polizei aber nicht nur zu den Bomben liefern, sondern auch zu ihrem Verhalten selbst: Dass Polizisten die Sprengsätze offenbar nicht einschätzen konnten und zunächst auch nicht weitermeldeten, ist ein starkes Stück. Ebenso erstaunt die zögerliche Öffentlichkeitsarbeit. Die Aufforderung von Berlins Polizeichefin Margarete Koppers gleich die gesamte 1.Mai-Demo politisch neu zu bewerten, irritiert angesichts des Behördenverhaltens umso mehr. Vielleicht sollte man zunächst einmal herausfinden, wer in dieser Stadt mit Rohrbomben durch die Gegend läuft, statt gleich Tausende für diesen Irrsinn in Haftung zu nehmen.

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