10.05.2012

Mitgegangen...

Kommentar von René Heilig

Nur noch wenige Wochen, dann treffen sich die NATO-Spitzen in Chicago. Zu bereden ist so einiges. Stichwort: Afghanistan. So einfach, wie man rein kam, kommt man nicht wieder raus - nicht aus dem verwüsteten Land, nicht aus dem selbstgefälligen Abenteuer. Eine Abzugsstrategie gibt es nicht. Und so hat man in Berlin Obamas Versicherung erleichtert aufgenommen, dass die US-Kampftruppen die Stellung bis zum bitteren Ende, also bis Ende 2014 halten wollen.

Jenseits der militär-logistischen Herausforderungen, die allein schon Grund genug wären, ein neues Bundestagsmandat zu verlangen, gibt es eine Fülle weiterer offener Fragen. Eines lautet: Was wird aus jenen Afghanen, die in deutschen Diensten standen und stehen - bei der Bundeswehr, bei Polizeiausbildern oder in verschiedensten NGO? Mitgegangen, mitgehangen? Kollaborateure - egal ob echte oder dazu bestimmte - sind überall die ersten, die der Zorn trifft. Noch weiß die Bundesregierung nicht einmal, um wie viele Gefährdete es sich handelt. Zudem ist Deutschland - wie andere NATO- und EU-Länder - nicht gerade für eine liberale Asylpolitik bekannt. Dass es gestern nach der Kabinettsitzung hieß, verschiedene Ressorts müssten sich auf ein Verfahren einigen,kann die Bedrohten keineswegs optimistisch stimmen.

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