10.05.2012

Fragwürdig

Schwimmhalle nach Wunsch?

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Sascha Krämer ist Vorsitzender der Linkspartei in Potsdam.

nd: In Potsdam votierten die Einwohner in einer Bürgerbefragung dafür, dass eine neue Schwimmhalle am Fuße des Brauhausbergs und nicht am Volkspark gebaut wird. 65,2 Prozent entschieden damit gegen den ausdrücklichen Wunsch von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Warum?
Krämer: Der Brauhausberg liegt relativ zentral in der Stadt, während sich der Volkspark weit abgelegen im Norden befindet. Für alle Besucher aus dem Süden wäre dies sehr ungünstig gewesen. Denn Potsdam wird durch die Havel geteilt und als Übergang dienen lediglich zwei Brücken. An diesen zwei Zufahrten ist fast immer Stau. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Volkspark zu gelangen, ist auch nicht so leicht. Dagegen steht direkt neben dem Brauhausberg der Hauptbahnhof. Alle Bus- und Straßenbahnlinien führen dort vorbei. Außerdem steht am Brauhausberg bereits seit Jahrzehnten eine Schwimmhalle, die allerdings inzwischen marode ist und nun durch einen Neubau ersetzt werden soll. Der Standort ist also historisch gewachsen.

Die LINKE trat lange und vehement für den Standort Brauhausberg ein. Es wird gemunkelt, weil Linksfraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg eine Rechnung offen habe mit dem SPD-Politiker Jakobs, gegen den er zweimal die Oberbürgermeisterwahl verloren hat. Stimmt das?
Das ist Quatsch. Damit hat das überhaupt nichts zu tun. Wir sind aus den Gründen für den Brauhausberg, die auch die Bürger haben. Wir mussten eigentlich niemanden agitieren, für diese Variante zu stimmen. Wir haben nur das vertreten, was die Mehrheit der Bevölkerung sowieso möchte. Das Ergebnis der Bürgerbefragung stellte dies eindrücklich unter Beweis. Wir waren mit unserer Forderung auch nicht allein. Die linksalternative Fraktion »Die Andere« und das Bürgerbündnis wollten die Schwimmhalle auch am Brauhausberg, ebenso die Wasserballer, die jetzt schon dort trainieren und spielen.

Wir erklären Sie sich die mit fast 52,8 Prozent ungewöhnlich hohe Beteiligung an der Abstimmung?
Das Thema interessiert die Potsdamer sehr. Sie waren enttäuscht wegen der drohenden Fehlentscheidung der Politik und wollten die Sache deswegen selbst in die Hand nehmen.

Am Volkspark liegt ein neuer Stadtteil Potsdams, das Bornstedter Feld. Hier wurde kräftig in den Wohnungsbau investiert. Es besteht der Verdacht, die Schwimmhalle sollte dort entstehen, um die Gegend zusätzlich aufzuwerten. Was denken Sie?
Da ist sicher etwas dran. Aber ich finde es nicht falsch, etwas für das Bornstedter Feld zu tun. Es handelt sich um einen schnell wachsenden Stadtteil, der sicher eine Schwimmhalle vertragen könnte. Die LINKE hätte nichts dagegen, wenn dort in fünf Jahren eine zweite Schwimmhalle gebaut wird, wenn das Geld dafür vorhanden ist. Aber umgedreht wäre es nicht gegangen. Wenn die Schwimmhalle jetzt am Volkspark käme, dann hätte die Stadt das Gelände am Brauhausberg verkauft, damit dort Wohnungen gebaut werden können. Das war die Absicht. Eine Schwimmhalle hätte dort nicht mehr entstehen können.

Wie soll es jetzt weitergehen?
Wir erwarten, dass es jetzt nicht zu lange dauert und die neue Schwimmhalle wirklich im Sommer 2016 fertig ist.

Interview: Andreas Fritsche

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