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Von Kira Taszman
11.05.2012

Metropole der Handkarren

Kurzfilmprogramm im Zeughauskino zeigt Berlin in den Zwanziger Jahren

Der Berliner von heute besitzt eine Waschmaschine, kauft im Supermarkt ein, hält das Flugzeug für ein gewöhnliches Beförderungsmittel und betrachtet selbst eine Digitalkamera nicht als Wunderapparat. Vor knapp hundert Jahren war das freilich anders: Man gab die Wäsche zum Waschen, erstand Lebensmittel in der Markthalle und empfand fliegende Kisten und solche, mit denen man Bilder kurbelte, als wundersame Kreationen. Dankenswerterweise kann man einige der Bilder, welche die Kurbel-Apparate von damals erzeugt haben, heute noch betrachten, so im Rahmen der Kurzfilm-Reihe »Berlin in den Zwanziger Jahren« im Zeughauskino.

Dabei widmet sich deren fünfte Ausgabe dem Thema »Unterwegs in Berliner Unternehmen«. Die Dokumente, größtenteils Industrie- und Werbefilme, zeigen uns ein Berlin der Pferdedroschken, Handkarren und Straßenbahnen, bevölkert von Passanten mit Schiebermützen, Knickerbockern oder Kindern in Matrosenanzügen.

So etwa beim Konditormeister Paul Schnur in dem gleichnamigen »Orts-Propaganda-Film« »Niederschönhausen«, einem Werbefilm von 1924. Er stellt Kleinhändler und Gewerbetreibende des nordöstlichen Berliner Bezirks vor, samt - heute eher rührend wirkenden - Werbesprüchen à la »Wenn’s auf Erden friert und schneit, ‚Otto’ bringt Kohlen zu jeder Zeit«. Dann sieht man, wie in Gustav Ottos Kohlenhandel Briketts geschaufelt und verladen werden. Mitarbeiter des Unternehmens schauen stolz, neugierig oder lachend in die Kamera und wenn die Kohlefuhrwerke die Ausfahrt passieren, erkennt man an den niedrigen Häusern der Alleen und den Pferdedroschken eine noch dörfliche Struktur. Der wie die anderen Randbezirke erst 1920 eingemeindete Stadtteil wartete damals mit einer naturgemäß sehr persönlichen Kauf- und Kundenkultur auf.

Wenn uns der dokumentarische Kurzfilm »Die Waschküche von Berlin. Cöpenicker Genossenschaftswäscherei« dann in den Südosten der Stadt entführt, staunt man wiederum über die straffen Arbeitsabläufe innerhalb des imposanten Backsteingebäudes. Auf seinen verschiedenen Etagen werden Dampfkessel befeuert, riesige Waschtrommeln beladen, bevor Zentrifugen und Dampfmangeln zum Einsatz kommen. Die Strapazen der körperlichen Arbeit sieht man dem zumeist weiblichen Personal in seinen weißen Schürzen nicht an: Die Frauen demonstrieren fröhlich geübte Griffe für die Kamera.

Auffallend ist die Technikbegeisterung in der Kurzdoku über die Markthallen Berlins. Moderne Errungenschaften wie Kühlräume samt ihren Hebeln und Messgeräten und Transportwege per Bahn preist man dort ebenso wie man Verlade- und Kaufprozesse an Obst-, Fisch- und Blumenständen der riesigen Zentralmarkthalle ausführlich dokumentiert.

Dass neben der Arbeitswelt in Berlin auch eine immer dynamischere Freizeit- und Sportkultur aufkam, zeigt der Kurzfilm »Der Spiel- und Sportplatz im neuen und alten Berlin« (1925). Dort hält die Kamera stolz angekündigte »Flugzeugaufnahmen« und Szenen aus Parks und Sportanlagen fest. Einem Staffellauf im Treptower Park folgen Fußball und Tanz im Weddinger Schillerpark, Flaneure in der Jungfernheide oder Momentaufnahmen in einer Badeanstalt. Die abschließende Losung »Spiel und Sport sind eine Pflicht, die der Einzelne nicht nur gegenüber sich selbst, sondern auch gegenüber der Allgemeinheit und dem Vaterlande zu üben hat« sollte man vielleicht nicht zu ernst nehmen.

Genauso wenig wie Aufnahmen eines Kunstflugs von Ernst Udet von 1929, der in so kühnen wie vollendeten Loopings über der Hauptstadt für den Rasierklingenhersteller Rotbart warb. Der amüsante Werbe-Animationsfilm »Der Arm« schließlich macht sich für eine Institution stark, die Berlin immer nötig haben wird: die Polizei.

Am 12.5. und 13.5. um 18.30 Uhr im Zeughauskino

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