Von Jürgen Amendt
11.05.2012

Künstler wehren sich

Urheberrechtsdebatte

Die Liste der Empörten ist lang, prominent bestückt sowie unterschiedlicher Provenienz: Der Schauspieler Mario Adorf ist dabei, der Moderator und Autor Roger Willemsen, seine Kolleginnen Charlotte Roche und Elke Heidenreich, der Schriftsteller Christoph Ransmayr. Sie allen rufen zur Verteidigung des Urheberrechts gegen die Anmaßungen des Internets, Kulturgüter sozusagen für lau unters Volk zu bringen. Der Appell »Wir sind die Urheber. Gegen den Diebstahl geistigen Eigentums« wurde am Donnerstag im Internet und in der Wochenzeitung »Die Zeit« veröffentlicht. Die 100 Erstunterzeichner haben mit ihrer Kritik vor allem die Piratenpartei zum Ziel, die das Urheberrecht an die veränderten technischen Möglichkeiten und Nutzungsgewohnheiten des Internets anpassen will.

In der Erklärung wird das Urheberrecht als »historische Errungenschaft bürgerlicher Freiheit gegen feudale Abhängigkeit« bezeichnet. Das beschreibt den Kern des Problems: Keine der bislang diskutierten Alternativen zur gängigen Entlohnung von Künstlern für ihr kreatives Schaffen wie etwa eine Kulturflatrate oder freiwillige Bezahlsysteme können das bisherige System adäquat ersetzen. Wer darauf setzen kann, von Verlagen Vorschüsse für sein neuestes Buch zu erhalten und nach festen Sätzen an der Veräußerung seiner Werke beteiligt zu werden, wird schwerlich einsehen, warum er künftig auf die Schwarmbezahler im Netz hoffen soll, die ihm über Mikrobezahlsysteme ein auskömmliches Einkommen generieren.

Andererseits hat sich, abgekoppelt von all den Heidenreichs und Ransmayrs, im Internet genau jener Mikrokosmos entwickelt, dessen Protagonisten sich anschicken, die reale Welt des Urheberrechts zu entern. Sie treten mit reichlich Selbstbewusstsein auf. Der Urheberrechtsexperte bei den Berliner Piraten, Christopher Lauer, hat via Twitter erklärt, die Künstler-Initiative bedürfe wohl »einer Handreichung«, was übersetzt soviel heißt wie: »Ihr habt die neue Welt des Internets noch nicht begriffen, aber ich kann sie euch erklären, wenn ihr wollt, ihr Dummbeutel«.

Es ist wie zu allen Zeiten. Als in grauer Vorzeit die Schrift erfunden und von findigen Lauers als neues Medium zum Erzählen alter Geschichten erkannt wurde, riefen die Geschichtenerzähler laut: Nicht mit uns, schützt uns vor den Schriftgelehrten, die uns alle von den Lagerfeuern vertreiben! Heute klingt das so: »Das Urheberrecht (...) schützt uns alle, auch vor global agierenden Internetkonzernen.«

Sie haben recht, die Geschichtenerzähler.

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