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Von Karlen Vesper
12.05.2012

Dankbar und stolz

Die vergessenen Befreier

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Anna Szelewicz

Gewiss hätte die Rote Armee die deutsche Reichshauptstadt auch allein stürmen können. Sie tat es jedoch im Verbund mit polnischen Streitkräften. Und die polnischen Veteranen, die dieser Tage auf Einladung des VVN-BdA zum Jahrestag der Befreiung in Berlin weilten, bekundeten ihren nachträglichen Dank. 200 000 Polen nahmen an der Schlacht um Berlin teil, berichtet Henryk Strzelecki, Vorsitzender der polnischen Kombattanten-Vereinigung, die noch etwa 7000 Mitglieder zählt.

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Lech Tryuk

Der einstige Partisan, Angehöriger eines Bauern-Bataillons, gedachte der ermordeten oder gefallenen über 20 Millionen Sowjetbürger, seiner sechs Millionen Landsleute und der drei Millionen polnischen Juden. Strzelecki hofft, dass im vereinten Europa Völkerhass und Rassismus für immer der Vergangenheit angehören.

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Henryk Strzelecki

Lech Tryuk sprach von der barbarischen Zerstörung Warschaus und der Vernichtung einzigartiger polnischer Kulturgüter durch die deutschen Eroberer und nannte Auschwitz das schlimmste Verbrechen der Menschheitsgeschichte: »Das war die Fratze des Faschismus.« Als Schüler hatte er sich im August 1944 dem Warschauer Aufstand angeschlossen und war nach dessen Niederlage der Rache der Okkupanten durch die Kanalisation entkommen, wie ein Jahr zuvor die überlebenden Ghettokämpfer. Tryuk durchschwamm die Weichsel und reihte sich in die legendäre 1. Kościuszko-Division ein. Bei der Erstürmung Berlins begleitete er als Infanterist sowjetische Panzer. »Der Häuserkampf wurde erbittert geführt, von beiden Seiten. Unser größtes Problem war die HJ, die sich mit Panzerfäusten in Kellern verschanzt hatte. Auch wir waren keine Engel. Wir waren Soldaten. Und wir hassten alle Nazis«, offenbart Tryuk, der ein »Souvenir« aus jenen mörderischen April- und Maitagen 1945 behielt: einen Schrapnellsplitter im Kopf. »Berlin ist stets in mir«, sagt der Veteran heute gelassen. Und er würdigt einen »guten Deutschen«, der im KZ Ravensbrück seine Schwester vor dem Hungertod bewahrt hatte.

Den weitesten Weg von den Gästen aus Polen hatte damals Anna Szelewicz bewältigt: von Irkutsk nach Berlin, »dabei Hunderte Kilometer zu Fuß«. Sie war als Mädchen mit ihrer Familie nach dem Einmarsch der Roten Armee in Ostpolen im September 1939 aus Białystok an den fernen Baikalsee deportiert worden. Dies bemerkt sie ohne Verbitterung und ergänzt: »1943 wurde das Emilia-Plater-Bataillon aufgestellt. Ich war dabei.« Die nach einer polnischen Freiheitskämpferin im 19. Jahrhundert gegen zaristische Fremdherrschaft benannte Einheit, der Frauen sogar mit ihren Kindern beitraten, sei eine »Kaderschmiede« gewesen. »Viele Soldatinnen wurden befördert und befehligten später Männereinheiten.« Ohne die Frauen wäre der Krieg nicht zu gewinnen gewesen, sagt Anna Szelewicz stolz. Allein als Telefonistinnen, die strategisch-wichtige Kommunikation sichernd, hätten sie schon entscheidend zum Sieg beigetragen.

Hans Coppi vom VVN-BdA freute sich über den Besuch der zehn Veteranen, die sich wiederum auch dankbar an Einladungen in die DDR erinnerten. Im heutigen Deutschland, so Coppi bedauernd, gehören die polnischen Kämpfer zu den »vergessenen Befreiern«.

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