Martin Kröger
12.05.2012
Person

Aspirant

Klaus Keese - Der 60-Jährige bewirbt sich erneut als Polizeichef in Berlin

Klaus Keese kann nur Optimist sein. Obwohl er sich bereits im vergangenen Jahr eine Abfuhr geholt hat, bewirbt sich der 60-Jährige jetzt erneut für den Posten des Berliner Polizeipräsidenten. Am Donnerstag hat Keese seine Bewerbungsunterlagen bei der Innenbehörde eingereicht. Die Bewerbungsfrist für den seit einem Jahr vakanten Posten läuft noch bis zum 18. Mai. Dann muss sich Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) entscheiden.

Ob Klaus Keese, der seit vielen Jahren die Direktion 1 im Berliner Norden leitet, Chancen auf den Posten hat, darf allerdings bezweifelt werden. Bei seiner letzten Bewerbung zog Keese auch deshalb den Kürzeren, weil sich der damalige SPD-Innensenator für den ranghöheren Udo Hansen entschieden hatte. Dass der ehemalige Bundespolizeiführer Hansen trotz Nominierung durch den Senat nie den Posten antrat, lag indes an Klaus Keese. Denn der gab sich mit seiner Niederlage nicht zufrieden und zog vor Gericht: Gleich zweimal gelang es ihm dort, das Auswahlverfahren zu stoppen. Am Ende blieb dem inzwischen gewählten Innensenator Henkel nichts anderes übrig, als die Stelle nach dem peinlichen Hickhack neu auszuschreiben.

Indes: Freunde hat sich Keese, der kein Parteibuch besitzt, mit seinen Klagen innerhalb der politischen Klasse Berlins sicher nicht gemacht. Wer lässt sich schon gerne öffentlich düpieren? Dabei ist die politische Unterstützung für einen Polizeipräsidenten mit seiner 22 000-Personen-Behörde wichtig. Die Chemie muss da stimmen. Auch wenn Keese fachlich die Fähigkeiten und die Erfahrung besitzt. Schließlich sind die Berliner Direktionen häufig größer als andernorts Polizeipräsidien. Aber ohne Vitamin Politik scheint seine Bewerbung aussichtslos.

Bessere Chancen als Keese hat da zurzeit sicher die amtierende Polizeichefin Margarete Koppers. Sie ist höherrangig, polizeiliche Führungserfahrung hat sie im Vertretungsjahr auch gesammelt. Und von den Politikern wird sie trotz zögerlicher Kommunikation zu den Rohrbombenfunden geschätzt. Keese bliebe da wohl, was er ist: ein optimistischer Aspirant.

Martin Kröger

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