Von Velten Schäfer
14.05.2012

Angst vor den Studentenkrediten

Warnungen in den USA vor dem Platzen der nächsten Finanzblase

Studenten in den USA haben einen Gebühren-Schuldenberg von etwa einer Billion Dollar angehäuft. Nun können viele ihre Kredite nicht bedienen, weil sie keine gut bezahlte Arbeit finden.

Es ist inzwischen mehr als ein Jahrzehnt vergangen, seit der deutsche Leitmedienchor zum letzten Mal versuchte, Studenten von den grundsätzlichen Gerechtigkeitsvorteilen eines Studiengebührensystems zu überzeugen. Das Bezahlstudium ist hierzulande nur halb durchgekommen; allen Prophezeiungen von damals zum Trotz.

Dieser Tage zeigt ein Blick in die US-amerikanische Wirtschaftspresse, was sich Deutschland bisher mit diesem Modell auch an handfesten volkswirtschaftlichen Kosten erspart hat: In den USA haben sich die Studienkredite zu einem Schuldenberg angehäuft, der mittlerweile auch die Mainstram-Wirtschaftskommentatoren sorgenvoll stimmt. Jetzt hat Kelly Evans von CNBC Alarm geschlagen: Beim Blick auf den etwa eine Billion Dollar betragenden Gebührenschuldenberg der Hochschüler »sollten Amerikaner besorgt sein«, so die angehende Starjournalistin des Sendenetzwerkes.

Die Gesamtsumme der Kredite, mit denen junge Normal-Amerikaner die exorbitanten Studiengebühren decken müssen, übersteigen längst sogar die der Kreditkartenschulden und der Automobil-Finanzierungen. Nur im Immobilienbereich, der die anhaltende Finanzkrise angeheizt hat, sind die Verbindlichkeiten noch höher. Und nun, fürchtet Evans, droht mit den Studienkrediten das gleiche wie mit den Hauskrediten: Sie könnten in Größenordnungen ausfallen, da den Schulden, die das System den Studierenden aufbürdet, eine schlechte Arbeitsmarkt- und Lohnentwicklung für mittlere Karrieren gegenübersteht. Die »Delinquenzrate«, also der Anteil der in längerfristigen bis dauerhaften Zahlungsschwierigkeiten steckenden Absolventen, lag laut einer Studie des New Yorker Zweigs der US-Notenbank Fed in dritten Quartal 2011 bei 27 Prozent. Zum Vergleich: Selbst im Krisenjahr 2009 betrug die »Delinquenz« bei Immobilien nur um die zehn Prozent.

Wer wird getroffen, sollte diese »nächste Blase« platzen? Zunächst die Steuerzahler, denn 80 Prozent der ausstehenden Studienkredite werden bereits von der Regierung garantiert. Doch zu 20 Prozent wäre auch der Finanzsektor betroffen. Studienkredite gehörten zu den Sorten von Schuldverschreibungen, die in der letzten Finanzblase besonders gern in »Collateralized Debt Obligations« (CDO) verpackt und von den Ratingagenturen als wetterfeste Triple-A-Produkte angepriesen wurden. Wer diese komplexen Wertpapieren im Portfolio hat und wie viel von diesem Geld bereits abgeschrieben ist, lässt sich nur schwer sagen.

Fest steht dagegen zumindest für Evans, »dass unser gegenwärtiges System gescheitert ist«. Nur für das Protokoll: Auch wenn die CNBC-Kolumnistin damit nur das Studienkreditsystem meint, das die ohnehin Benachteiligten noch mit extra-hohen Zinsen belastet - es trifft auch für das System der Studiengebühren zu.

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