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Von Reimar Paul
14.05.2012

Auftakt zum Rückbau

E.on stellt als erster Atomkonzern einen Antrag auf Abriss - für das AKW Isar-1

Bislang ist völlig unklar, wie mit den acht abgeschalteten Atommeilern in Deutschland weiter verfahren wird. Für ein erstes AKW wurde jetzt der Antrag auf Abriss eingereicht.

Infolge der Fukushima-Katastrophe und des halbherzigen Atomausstiegs waren im vergangenen Jahr 8 der 17 deutschen Kernkraftwerke abgeschaltet worden - dachte man bislang zumindest. Doch das stimmt nicht. Im Jargon der Betreiber befinden diese sich im »dauerhaften Nichtleistungsbetrieb«, einer Art Stand-by-Modus also. E.on und Co. woll(t)en sich damit die Möglichkeit offenhalten, die Meiler im Fall eines Erfolges ihrer Verfassungsklage gegen den Atomausstieg oder einer - realen oder herbei fantasierten - Energielücke schnell wieder hochfahren zu können.

Doch so langsam scheint den Konzernen zu dämmern, dass das Geschäft mit der Kernkraft zumindest in Deutschland nicht zukunftsträchtig ist. Als erstes Unternehmen kam jetzt E.on aus der Deckung und hat bei der bayrischen Landesregierung einen Antrag auf »Rückbau« des AKW Isar-1 bei Landshut eingereicht. Das Haus von Umweltminister Marcel Huber (CSU) will den Antrag prüfen. An dem sich anschließenden atomrechtlichen Stilllegungsverfahren muss auch die Öffentlichkeit beteiligt werden. Wann genau der Abriss von Isar-1 beginnen kann, ist allerdings noch unklar.

Mit dem Antrag auf Rückbau scheint zumindest für diesen Meiler die Variante eines sogenannten sicheren Einschlusses vom Tisch. Dabei wird ein abgeschalteter Reaktor für etwa 30 Jahre eingemauert und erst dann abgerissen. Unter Atomkraftkritikern ist dieses Verfahren umstritten. Der Münchner Kernphysiker Prof. Klaus Buchner sieht den Vorteil, dass dadurch weniger Radioaktivität in die Umwelt gelangt; innerhalb von 30 Jahren seien viele der kurzlebigen Radioisotope zerfallen. Dagegen verweist die Anti-Atom-Organisation »ContrAtom« auf die AKW-»Ruinen« in Lingen (seit 1988 eingemauert) und Hamm-Uentrop (seit 1997 eingemauert). Millionen Euro müssten zur Erhaltung der Sarkophage aufgebracht werden. Auch sei fraglich, ob in 30 Jahren genügend Fachpersonal für den Abbau zur Verfügung stehe. »Einfach zumauern und stehenlassen ist keine Lösung, denn damit wird das Problem nur verschoben«, sagt Jan Becker von »ContrAtom«.

Bayerns Umweltminister Huber will den Betreibern in seinem Freistaat keine Steine in den Weg legen, sollten die sich für den »sicheren Einschluss« entscheiden. »Wir lassen diese Möglichkeit offen, denn die Betreiber müssen selber den Rückbau finanzieren. Wenn keine Sicherheitsbedenken dagegen sprechen, kann man das aus rein politischen Erwägungen nicht verhindern«, sagte Huber im Bayrischen Rundfunk.

Der Abriss des AKW Isar-1 dürfte bis zu zehn Jahre dauern, schätzt Kraftwerkssprecher Johann Seidl. Doch das wird kaum reichen. Der Rückbau des viel kleineren Atomkraftwerks Würgassen - ebenfalls ein Siedewasserreaktor - ist bereits seit 15 Jahren in Gang und soll frühestens 2014 abgeschlossen sein.

Alle Forschungs- und Versuchsreaktoren eingeschlossen, ist in der Bundesrepublik sind bislang erst drei Komplett-Abrisse bis zur grünen Wiese gelungen, allesamt in Bayern: bei den Testanlagen in Großwelzheim und Kahl (beide bei Aschaffenburg) sowie beim AKW Niederaichbach in direkter Nachbarschaft zu Isar-1. Dort soll gemäß Atomausstiegsbeschluss das AKW-Isar-2 bis 2022 weiter Strom und Atommüll produzieren.

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