14.05.2012
Meine Sicht

Planwirtschaft

Klaus Joachim Herrmann über Berliner und Baustellen

Unverdrossen zogen Berliner und Brandenburger am Wochenende zum neuen Flughafen - oder besser zu dessen Baustelle. Die Menschen an Spree und Havel bleiben neugierig. Sie klettern auf Infotürme, starren in Gruben, kraxeln durch Kuppeln, nehmen Autotunnel unter das feste Schuhwerk oder erfreuen sich fast musisch an einem Kranballett. Kaum etwas, das sie nicht täten. Abgesehen vielleicht einmal von einer Besichtigung der Baustelle des BND an der Chausseestraße.

Die Hauptstädter aus Berlin und Umland sind erprobt und erfahren im Umgang mit Baustellen. Bauherr Wowereit, der sich mutig unter sie mischte, hatte da nicht einmal schlechten Stand. Die Besichtiger von Schönefeld wissen um die Fährnisse öffentlicher Bautätigkeit. Ohne eine Entschuldigung für das Desaster Hauptstadtflughafen und einige Häme ging es für den Stadtvater freilich auch diesmal nicht ab.

Aber Schwierigkeiten bis zur Katastrophe gehören für erprobte Beobachter zum Baugeschehen ebenso wie Überraschungen. Da wird am Potsdamer Platz der U-Bahn-Schacht zum Wasser führenden Kanal oder die Avus zehn Monate vorfristig fertig. Was für ein wunderbarer Austragungsort für das DFB-Pokalduell Dortmund-München war das Olympiastadion - beim Umbau eine Spottarena ohnegleichen. Die hatte nicht einmal die richtigen Sitze und bekam eine blaue - »igitt!« - Laufbahn. Ist BER fertig, werden auch ihn alle bestaunen. Dann wird es sein wie einst in der DDR bei der Planabrechnung: Suche nach den Schuldigen, Bestrafung Unschuldiger, Ordensverleihung an Unbeteiligte.