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Von Caroline M. Buck
15.05.2012

Kollision der Kulturen

Der Dokumentarfilm »Empire of Dust« findet die Komödie in der Tragödie des Ausverkaufs afrikanischer Rohstoffe

Beim DOK.fest in München sorgte der belgische Dokumentarfilm »Empire of Dust« über den Ausverkauf afrikanischer Rohstoffe für Aufsehen.
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Gemischte Loyalität: Eddy, Dolmetscher für die Chinesen

Eigentlich wollte der belgische Dokumentarfilmer Bram Van Paesschen im Auftrag eines flämischen Fernsehsenders kongolesische Minenarbeiter filmen und die chinesischen Einkäufer, die ihnen die oft mit bloßen Händen aus dem Boden gekratzten Erze abkaufen. Das Vorhaben scheiterte am Druck von beiden Seiten: Weder die chinesischen Offiziellen vor Ort noch die kongolesischen Regierungskreise, die von den bilateralen Abkommen in der südlichen Minen-Provinz Katanga profitieren, hatten Interesse an einem Kamerateam bei ihrer undurchsichtigen Geschäftemacherei.

Stattdessen fokussierte Van Paesschen auf den Bautrupp der chinesischen Staatseisenbahn CREC, der an der Straße zwischen der Bergbaustadt Kolwezi und der Provinzhauptstadt Lubumbashi arbeitete. Mit Lao Yang, dem logistischen Leiter dieses Bautrupps Nummer 7, und seinem kongolesischen Dolmetscher Eddy, chinesischer Name: Ewiger Drache, stieß er dort auf eine filmische Goldmine.

Er fand eine für ihn als kolonialzeitkritischen Belgier absurd verklärende Nostalgie für die »guten alten Tage« der Kolonialzeit, als die Eisenbahn noch funktionierte und für das tägliche Auskommen gesorgt war. Und eine Art Kolonie-Mentalität, die die Chinesen als die neuen Herren in einer direkten Abfolge Belgier - einheimische Machtcliquen - Chinesen akzeptierte. Aber offenbar auch einen gesunden Übermut, der vor zuviel Respekt vor den neuen Geldgebern bewahrt.

Lao Yang, dem zweiten Mann unter den acht Chinesen im Container-Lager, geht alles viel zu langsam in Kongo. Der Schotter für das Straßenfundament, mit dem seine Laster schon längst beladen sein sollten, ist noch nicht mal gebrochen, im Kieswerk - es ist nicht die erste, das er auf der Suche nach Baumaterial vergeblich anfährt - wartet die Belegschaft erstmal auf den Boss, bevor sie auch nur die Maschinen anschmeißt, und als der endlich kommt, erweisen sich die Maschinen als defekt und die zugesicherte Liefermenge als vollkommen unrealistisch. Und die Quelle seiner Steine mag der einheimische Boss auch nicht preisgeben: Die Chinesen würden ihm ja sonst den Steinbruch vor der Nase wegkaufen, und wo bliebe dann die Gewinnbeteiligung für die Kongolesen?

Eddy, der Dolmetscher aus Kinshasa, entpuppt sich in den Verhandlungen als Mann gemischter Loyalitäten. Zwar wird er für sein fließendes Mandarin von der CREC bezahlt und steht deshalb eindeutig in ihren Diensten, aber natürlich ist er auch Kongolese - und von der effizienzorientierten Ungeduld seines Vorgesetzten sichtlich angenervt. Aber der Chinese hat ein wirkliches Problem: Das Geld für den Schotter ist noch gar nicht da, die kongolesische Regierung, die wohl eigentlich für Baumaterial und Verpflegung sorgen sollte, kommt ihren Verpflichtungen nicht nach.

Sprachlich geht es munter hin und her zwischen Mandarin, Swahili und Französisch. Verständigung scheint unmöglich auf allen außer der sprachlichen Ebene. Dann aber pointiert Van Paesschen seinen Film mit einem Kommentar des Chinesen, der so schön ist, dass die Völkerverständigung plötzlich in greifbare Nähe rückt: Mit Geld umgehen könnten sie gar nicht, schimpft Lao Yang, immer müssten sie den Lohn gleich vertrinken. Da sehe man sie dann an der Bar stehen, und nach zwei Bier fingen alle an, zur Musik zu tanzen. Und dann setzt er, aller moralischen Entrüstung zum Trotz, dieser Lebensfreude ein singuläres Denkmal: Ganz wunderbar sei das.

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