Katja Herzberg
15.05.2012

Erster „Urheber-Nutzer-Dialog" in Berlin

Ängste abbauen

Ausgerechnet in diesen Tagen, wo sich Gruppen von Urhebern und Nutzern gegenseitig mit Appellen über Zeitungen und das Internet aufhetzen, will die Nichtregierungsorganisation und Internetplattform »iRights« einen Dialog zwischen beiden Fronten starten. Dafür lud sie am vergangenen Freitagnachmittag Urheber, Nutzer und Verwertungsgesellschaften zu einer Konferenz in Berlin ein. Und tatsächlich, niemand verließ die Veranstaltung mit einem Messer zwischen den Rippen.

In vergleichsweise ruhiger Atmosphäre legten Vertreter der VG Bild-Kunst, der Verbraucherzentrale Bundesverband, des Vereins Digitale Gesellschaft, Autoren, Filmemacher und Piraten-Mitglieder ihre Argumente im wahrsten Sinn des Wortes auf den Tisch. Das Team von »iRights« um den Moderator der Veranstaltung, Matthias Spielkamp, sorgte für eine Art der Diskussion, die nicht in pauschale Vorwürfe abgleiten ließ, sondern vielmehr erforderte, die eigene Sichtweise auf den Punkt zu bringen. Dafür wurden die etwas mehr als 40 Teilnehmer zuerst mit der Frage konfrontiert: »Wovor haben Sie Angst, wenn es um das Urheberrecht geht?« Aus den Antworten wurden vier zentrale Themen herausgefiltert, die in kleineren Gruppen mit dem Fokus darauf, was sich ändern sollte, diskutiert wurden. Zur Überraschung aller verhielten sich die Teilnehmer fair und diszipliniert.

Viele Teilnehmer offenbarten sogar ihren persönlichen Hintergrund, wenn sie Beispiele und Zahlen nannten. Wie so oft schwankten die Angaben hier erheblich, etwa wenn es darum ging, wie viele Künstler zusätzlich Sozialleistungen in Anspruch nehmen, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. So wurden schnell die unterschiedlichen Interessen »der Urheber« deutlich. Zwar eint Maler, Autoren und Regisseure, dass sie über die Verwendung ihres Werks bestimmen möchten und nicht mit ansehen können, wenn es beschnitten oder anderweitig verändert wird, wie es beispielsweise mit Musik- und Filmmaterial im Internet geschieht. Diesem »Kontrollverlust« könne, so einigten sich die Teilnehmer, aber mit der bestehenden Gesetzgebung zu Persönlichkeitsrechten begegnet werden. Doch in puncto Internet wurde die eigentliche Kontroverse ersichtlich. Sie verläuft zwischen jenen, die mögliche Einnahmen um jeden Preis eintreiben (lassen) wollen und denen, die sich der Verwertungsgesellschaften und -logik entziehen möchten. Anhänger der Piratenpartei stellten dem ihre noch radikalere Position gegenüber. »Wenn ich mich entscheiden müsste zwischen der Wahrung der Persönlichkeitsrechte und der Freiheit im Internet, hat letzteres eine höhere Priorität«, sagte ein junger Mann mit Piraten-Shirt.

Das zunehmende Verschwimmen der Rollenverteilung zwischen den Urhebern und den Nutzern wurde vor allem in Bezug auf Vergütung anerkannt. Hier wünschten sich viele neue Modelle bis hin zu einem neuen Gesellschaftsvertrag. Aber auch grundsätzlicher wurde in eine Abkehr vom Handel mit einzelnen Werkstücken vorgeschlagen. Stattdessen solle der Zugang zu Musik, Film etc. bezahlt werden.

Matthias Spielkamp zeigte sich mit der dreistündigen Veranstaltung zufrieden: »Die Teilnehmer haben erlebt, dass es viel mehr Aspekte in der Debatte gibt, als sie sonst sehen.« Den jüngst in der »Zeit« veröffentlichten Aufruf »Wir sind die Urheber« kritisierte Spielkamp. Er forderte dessen Unterstützer auf, sich bei den kommenden »Urheber-Nutzer-Dialogen« der Diskussion zu stellen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Werbung in eigener Sache

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken