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Von Anouk Meyer
16.05.2012

Wickie trifft Wonder-Woman

»Helden« in der neuen Ausstellung der Deutschen Kinemathek

Der eine rettet mit übermenschlichen Kräften die Welt, der andere kämpft mit Zaubertricks gegen das Böse - und der dritte hockt schlecht gelaunt zu Hause und will nur seine Ruhe. Viele Gemeinsamkeiten findet man nicht zwischen Superman, Harry Potter und dem Antihelden Bernd das Brot; trotzdem stehen die drei in der »Helden«-Ausstellung der Deutschen Kinemathek einträchtig nebeneinander.

Wie entstehen Helden-Mythen, wozu brauchen wir sie und was macht einen Helden überhaupt aus? Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigt sich die vielseitige Schau für Kinder zwischen 4 und 14 Jahren und schlägt dabei den Bogen vom griechischen Muskelmann Herkules über berühmte US-Helden wie Batman und Supergirl bis zur frechen Pippi Langstrumpf und der virtuellen Kämpferin Lara Croft aus dem Computerspiel »Tomb Raider«. Und auch die Heroen anderer Kulturen werden per Filmszenen und Comics vorgestellt, etwa Krrish und Shaktimaan aus Indien oder der arabische Cartoon-Held Ajaaj, ein Wüstensturm, der verschiedene Gestalten annehmen kann.

Als Kontrast zu all diesen mutigen Superkämpfern wirkt die deutsche Antihelden-Figur Bernd geradezu menschlich-sympathisch und hat deshalb eine Sonderrolle inne: Das Brot mit den riesigen Pranken, im Original hinter Glas zu bewundern, »führt« durch die Ausstellung. Die beginnt mit typischen Aufbruchszenen, meist dem tränenreichen Abschied von der Mutter, die man sich auf weit von der Decke herabhängenden Monitoren ansehen kann. Vorbei an Heldenfiguren in allen Größen, von einer 20-Zentimeter-Bronzestatue des Herkules bis zu einem Zwei-Meter-Superman, geht es zur »Herr der Ringe«-Saga. Gegenüber kichern zwei kleine Mädchen in einem rosa Zelt mit Blümchen, in dem - was sonst? - »Prinzessin Lilliefee« läuft. An zwei Computern laufen Spiele mit Mario und Lara Croft, auch Auszüge aus den »Sims« und anderen Spielen lassen sich da kurz testen.

Eine extra Nische ist der »Star Wars«-Welt und deren vielen Merchandising-Produkten gewidmet, bevor die Besucher am Ende der Ausstellung wieder im Jetzt und Hier ankommen: In Kika-Filmen berichten Kinder, wie sie sich für Umwelt und Hilfebedürftige einsetzen oder einen Traum verwirklich haben - wie Dounia, die über die Alpen gewandert ist, oder Adrian aus Berlin, der unbedingt Balletttänzer werden will und dafür Spott riskiert. Außerdem werden Stuntkids vorgestellt, die junge Schauspieler in riskanten Action-Szenen doubeln. So wie Fynn: »Wenn man so eine Szene geschafft hat, ist man körperlich voll erschöpft, als ob man zehn Nächte durchgemacht hätte«, erzählt der 13-Jährige. Ihren eigenen Mut können die jungen Besucher in einem kurzen, dunklen Labyrinth testen und erfahren danach, was genau im Körper passiert.

Diese Mitmach-Stationen sind der Pluspunkt in der ansonsten etwas überfrachteten Schau. 50 Exponate - Figuren, Kostüme, Accessoires, Zeichnungen, Comics - ringen um Aufmerksamkeit, dazu kommen insgesamt 140 Minuten Filmausschnitte. Interessant für Erwachsene sind die amerikanischen Comic-Cover von den 50er Jahren bis heute, in denen sich der Wandel in Zeitgeist und Ästhetik zeigt: »Wonder Woman« mit Muskeln wie ein Bodybuilder, das will heute keiner mehr sehen - in den 80ern war das »in«.

Den Kindern macht vor allem die Multimediastation am Eingang Spaß. Per Computertest kann man hier herausfinden, welcher Heldentyp man ist - Luke Skywalker oder Wickie, der schlaue Wikingerjunge? In der Schau selbst sind immer wieder Rätsel zu lösen; wer alles richtig hat, erhält am Ende den »Heldenpass«, der zugleich als Eintrittskarte für die Filmreihen in den Kinos Arsenal und Bundesplatz dient.

Bis 21. Oktober, geöffnet Di.-So. 10-18 Uhr, Do. bis 20 Uhr sowie an den Feiertagen; Deutsche Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen, Potsdamer Str. 2, www.deutsche-kinemathek.de

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