Von Aert van Riel
16.05.2012

Basteln am Steinbrück-Mythos

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin präsentierte Biografie des früheren Bundesfinanzministers

Der Medienhype um Peer Steinbrück wird fortgesetzt. Bei der Vorstellung seiner Biografie findet der Grüne Jürgen Trittin allerdings nicht nur freundliche Worte für den möglichen SPD-Kanzlerkandidaten.

Peer Steinbrück ist physisch nicht anwesend, aber trotzdem allgegenwärtig. Von riesigen Postern blickt er mit starren grau-blauen Augen hinter einer randlosen Brille auf die Journalisten, die sich zahlreich zur Vorstellung seiner Biografie im Haus der Berliner Bundespressekonferenz eingefunden haben. Veranstaltungen wie diese sind die große Chance für den SPD-Politiker, durch den künstlich erzeugten Medienhype seine Popularität in der Bevölkerung zu steigern. Dies könnte ihm bei seinem großen Ziel helfen, Kanzlerkandidat für die kommende Bundestagswahl zu werden.

Im Parlament und in der Partei spielt er im Unterschied zu Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und zum Bundesvorsitzenden Sigmar Gabriel als einfacher Abgeordneter nur eine untergeordnete Rolle. Immerhin darf er an den wenigen gemeinsamen Veranstaltungen der SPD-Troika teilnehmen, die kurz vor der Buchvorstellung Bundeskanzlerin Angela Merkel erneut dazu auffordert, gegen die europäische Wirtschaftskrise neben dem Fiskalpakt mit strengen Schuldenregeln auch ein Wachstums- und Investitionspaket zu verabschieden.

Im Zentrum der Präsentation steht wieder einmal der Mythos des erfolgreichen Finanzministers Steinbrück, der mit Konjunkturpaketen in der Großen Koalition angeblich wirkungsvoll auf die Wirtschaftskrise reagiert habe. »Deswegen ist Deutschland besser als andere Länder durch die Krise gekommen«, sagt anerkennend Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin, der das Buch vorstellt. Allerdings kritisiert er, dass die Verstaatlichung der Hypo Real Estate Bank sehr spät erfolgte und hohe Summen für Anteile an der Commerzbank ausgegeben wurden.

Auf den »Welt«-Journalisten Daniel Friedrich Sturm übt der Agenda-Architekt eine gewisse Faszination aus. Dass Steinbrück in der Skala der beliebtesten Politiker rangiert, liege an seiner »markanten Persönlichkeit«, so Sturm. In seinem Buch beschreibt der Parlamentskorrespondent chronologisch Steinbrücks Jugend in Hamburg und seinen politischen Werdegang. Der Leser erfährt, wie sich der studierte Volkswirt vom farblosen Ministerialbeamten zum NRW-Ministerpräsidenten und später zum Bundesminister und Bestsellerautor entwickelt hat.

Am Ende versucht der Autor einen Ausblick auf die Zukunft des 65-Jährigen. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob Steinbrück Kanzler einer rot-grünen Bundesregierung werden kann. Etwas reißerisch behauptet Sturm, dass Steinbrück die Grünen »im Grunde für überflüssig« hält. Als Beleg für die schlechten Beziehungen zwischen dem SPD-Politiker und der Öko-Partei führt er die Erfahrungen in der einstigen NRW-Regierung an, die Steinbrück als Ministerpräsident nach zweieinhalb Jahren im Amt an die Wand gefahren hatte. Sturm übersieht jedoch, dass Steinbrück vor allem ein Pragmatiker ist und sich deutlich für eine Koalition mit den Grünen im Bund ausgesprochen hat.

Auch wenn Steinbrück nicht sein Lieblingskandidat sein dürfte, hält Trittin ihn offenbar grundsätzlich für geeignet. Er betont, dass er der SPD nicht in die Frage der Kanzlerkandidatur reinreden will. Er wünsche sich allerdings hierfür einen kompetenten Politmanager. Steinbrück habe sich im Konflikt mit der SPD profiliert, aber er sei auch ein »Regierungsfunktionär«, erklärt der Grünen-Politiker.

Daniel Friedrich Sturm: Peer Steinbrück. dtv, 300 S., 14,90 €.

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