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Von Velten Schäfer
16.05.2012

Ab ins Museum und wieder zurück

Der amerikanische Wissenschaftler und Aktivist David Graeber erklärt die Dynamiken der »Occupy«-Bewegung von 2011

Nach seinem viel besprochenen theoretischen Buch über »Schulden« legt David Graeber eine Reportage über die bankenkritische Bewegung von 2011 vor.

Es gilt zu recht als Faustregel des Aktivismus, dass eine politische Bewegung genau dann vorüber ist, wenn entweder mit ihr verbundene Artefakte den Weg in ein Museum finden oder Bücher über sie verfasst werden.

Demnach ist die Occupy-Bewegung mausetot: Bereits im Herbst gab es in den Feuilletons viel ästhetisierenden Beifall für David in seinen klammen Zelten. Die Kulturbourgeoisie konnte sich so des Gewissens entledigen, einmal mehr nichts zu tun im Angesicht des Börsen-Goliath, der ungekannte Summen beanspruchte und hernach zum »Sparen« bei den Rentnern mahnte. Und als am 27. April zum Auftakt der 7. Biennale in der Galerie »Kunstwerke« in Berlins hipper Mitte die Zelte im Kunstkontext aufgeschlagen wurden, konnte man nach gewohnten Maßstäben der bankenkritischen Bewegung schon einen schönen Grabstein bestellen.

Erst die Tatsache, dass sich die Bankenkritiker zumindest in den USA bislang nicht an den üblichen Lebenslauf einer solchen Bewegung halten, sondern sich nach der Winterpause am 1. Mai mit überraschenden - und kaum wahrgenommenen - 50 000 Demonstranten in New York zurückmeldeten, macht »Inside Occupy« von David Graeber zu einer interessanten Lektüre.

Der anarchistische Ethnologe, der 2007 an der Yale-Universität geschasst wurde und nach London auswich, um 2011 zu einer der Galionsfiguren der Bewegung zu werden, stellt in diesem reportagehaft (und offenbar sehr schnell) geschriebenen Buch nämlich vor allem die Frage, »warum es diesmal geklappt hat«, die Menschen zu mobilisieren - Jahre nach dem großen Finanzkrach.

Graeber vertritt dabei die These, dass OWS, wie die Amerikaner »Occupy Wall Street« inzwischen abkürzen, seinen bisherigen Erfolg vor allem den veränderten Bedingungen der Medienproduktion verdankt. Der »globalisierungskritische« Bewegungszyklus von Seattle im Jahr 2001 habe die neuen Medien für die interne Kommunikation zu nutzen gelernt und in Projekten wie »Indymedia« mit dem Selbst-Senden - zunächst von Texten und später Bildern - begonnen. OWS verdanke seinen Erfolg vor allem der zehn Jahre später bestehenden Kapazität, nicht nur Texte, sondern vor allem auch Videos selbst versenden zu können: Dasjenige Medium, dass den Denkstil und die Erkenntnisstrukturen des Menschen am Beginn des 21. Jahrhunderts nachhaltig geprägt hat - und das deshalb gesellschaftlich ungleich viel glaubwürdiger ist als bloßer Text oder auch das eingefrorene Bild der Fotografie.

Als einen der entscheidenden Momente für die Mobilisierungen des vergangenen Jahres nennt Graeber denn auch die Szene mit dem »notorisch gewaltbereiten« New Yorker Polizisten Tony Bologna, den Millionen von Internetnutzern dabei beobachten konnten, wie er zwei offensichtlich ungefährlichen Frauen im Vorbeigehen eine Ladung Pfefferspray ins Gesicht spritzte. In diesem Moment, so Graeber, hätten die amerikanischen Medien die »Insel« ihrer üblichen Rationalisierung der Proteste als gewalttätig und fehlgeleitet verlassen müssen, um nicht als unglaubwürdig herüberzukommen. Es ist dies eine alte Weisheit: Nichts ist so politisierend wie die Gewalt der Polizei (und die anschließende Diffamierung der Opfer durch polizeisprecherhörige Journalisten). Es reicht oft aus, dies auch nur einmal aus der Nähe zu sehen.

Einen zweiten Faktor sieht Graeber in einer veränderten sozialen Zusammensetzung. Hätten sich früher überwiegend bereits politisierte Jugendliche beteiligt, gehe es nun um junge Erwachsene, die in einer neuen, naiven Weise vom System enttäuscht seien: Sie hatten »alles richtig gemacht« - und stehen nun trotz aller Konformität im Regen, weil sich andere nicht an die vermeintlichen Regeln gehalten haben.

David Graeber: Inside Occupy, Frankfurt/New York 2012, 200 Seiten, 15 Euro.

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