16.05.2012

Ärgerlich

Einwurf von Jirka Grahl

Ist es nun Absicht oder doch nur mangelndes Fingerspitzengefühl? Die Stiftung Deutsche Sporthilfe hat sich auch dieses Jahr geäußert zum Thema Ruhmeshalle. Und es wird neuen Streit geben.

Sechs weitere Sportler gesellen sich 2012 in die »Hall of Fame des deutschen Sports«. Nicht wie erwartet Sportler, die ab 1972 ihre Erfolge erzielten, obwohl im Jahr 2011 noch Athleten der Wirkungsjahre 1945 bis 1972 in die Ruhmeshalle gewählt wurden, darunter wenige DDR-Sportler und überhaupt kein Täve Schur. Dieses Jahr nun werden plötzlich Sportler mit »besonderen Biografien« geehrt, unter anderem der in der DDR politisch drangsalierte Radsportler Wolfgang Lötzsch sowie die dopingresistenten Vater und Tochter Misersky aus Zella-Mehlis. Diese drei sind würdige Ruhmeshallenmitglieder - keine Frage.

Die Gemeinheit liegt im Kategorienamen: »Besondere Biografie durch die DDR-Zeit«. Denn begrüßenswerterweise hat die Stiftung nach der früheren Berufung von fünf ehemaligen NSDAP-Mitgliedern nun die jüdische Hochspringerin Gretel Bergmann-Lambert in die Ruhmeshalle berufen, eine heute 98-Jährige, die 1936 nicht bei Olympia starten durfte. Dass aber ihre Kategorie »Besondere Biografie durch die NS-Zeit« genannt wurde, bedeutet eine beiläufige Gleichsetzung von zwei Diktaturen: unhistorisch, falsch, ärgerlich, unnötig. Jirka Grahl

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